Bürgersprechstunde

Interview mit Benedikt Lika

 

HERZKAMMER Herr Lika, beim Thema Barrierefreiheit denkt man zuerst an Rampen und Fahrstühle. Wo können neben Straßen und Gebäuden noch Barrieren auftreten?

BENEDIKT LIKA Ganz wichtig ist für mich der Aspekt der Hörbehinderungen. Ich trage selbst Hörgeräte und genieße es sehr, wenn es bei Vorträgen oder Veranstaltungen Induktionsschleifen gibt. Damit kann Musik oder das gesprochene Wort direkt übertragen werden. Das ist ein unglaubliches Aha-Erlebnis, wenn man eine Veranstaltung das erste Mal ohne Störgeräusche verfolgen kann. Ich denke auch, dass das Internet großes Potenzial hat, Barrieren abzubauen. Das gilt gerade für Menschen, die zum Beispiel nichts hören oder nicht mobil genug sind. Mit meinem Computer kann ich mit der ganzen Welt kommunizieren. Manche Barrieren, wie zum Beispiel die Schriftgröße oder Kontraststärken, lassen sich dann ganz einfach mit ein paar Klicks aus der Welt schaffen.

HERZKAMMER Daneben gibt es aber auch Barrieren, die nicht so leicht zu überwinden sind. Welche Erfahrungen machen Sie damit in Ihrem Alltag?

BENEDIKT LIKA Als Mensch mit Behinderungen fügt man sich den Wegen, die machbar sind. Wenn ich mich abends mit meinen Freunden treffen will, kommen fünf Kneipen in Frage, die zugänglich sind. Manchmal würde ich gerne etwas Neues ausprobieren. Das ist aber dann mit großem Aufwand verbunden. Schon kleine Stufen können eine unüberwindbare Hürde sein, wenn ich meine eigene Rampe nicht dabei habe. Manchmal stößt man auch auf Barrieren in den Köpfen der Menschen. Leider nehmen viele bei behinderten Menschen nur die Defizite wahr. Die sehen nur: Aha, der ist blind, der kann nicht sehen. Dass wir mittlerweile aber auch über Hilfsmittel verfügen oder dass Arbeitgeber, die behinderte Menschen einstellen, vom Staat unterstützt werden, das ist bei vielen noch nicht angekommen. Der Schlüssel dazu liegt meiner Meinung nach darin, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam zur Schule gehen sollten. Dann findet dieses defizitäre Denken gar nicht mehr statt.

HERZKAMMER Bayern soll bis 2023 im öffentlichen Raum barrierefrei werden. In den Bereichen Mobilität, Bildung und in staatlichen Räumen wurde bereits vieles umgesetzt. Wo erleben Sie in Bayern, dass Barrieren abgebaut wurden?

BENEDIKT LIKA In Augsburg wurden die Lizenzen im öffentlichen Personennahverkehr neu vergeben. Und zwar nur unter der Voraussetzung, dass barrierefreie Busse eingesetzt werden. Ich war bisher immer etwas unsicher, mit dem ÖPNV in einem Bus Augsburg zu verlassen und aufs Land zu fahren. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen und es hat geklappt – weil Bayern entsprechende Vorgaben gemacht hat. Ganz besonders freue ich mich auch über die Sanierung des Augsburger Theaters. Zwar wird es noch eine Weile dauern, bis wir Rollstuhlfahrer mehr Plätze bekommen und alle Stockwerke für uns zugänglich werden. Aber die erste Vorstellung von der Loge aus sehen – das wird fein!

 

Benedikt Lika ist Stadtrat in Augsburg und engagiert sich politisch für das Thema Inklusion und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Neben der Politik gibt es eine weitere Leidenschaft im Leben des ausgebildeten Dirigenten: die Musik.

 

Foto: Christina Steinbacher

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