Hornloszucht

Hornlose Rinder sind erfolgreicher als ihr Ruf

Malt ein Kind eine Kuh, so kann man davon ausgehen, dass der Kopf des Rindes von zwei prächtigen Hörnern geziert wird.

Heutzutage werden die meisten Rinder in den Ställen bayerischer Landwirte bereits als Kälber enthornt. Das heißt ihre Hornanlage wurde durch Hitze verödet. Die Kälber erhalten dabei ein Schmerz- und Beruhigungsmittel, dadurch kann der Eingriff weitgehend ohne Schmerzen erfolgen.

Georg Nützel vom Bayreuther Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) erklärt dem Herzkammermagazin, warum Hornlosigkeit in der konventionellen Tierhaltung dennoch so wichtig ist: „Die modernen Haltungsverfahren mit freilaufenden Kühen fordern aus arbeits- und tierschutzrechtlichen Gründen Vieh ohne Hörner. Wenn der Landwirt sich zwischen seinen Tieren im Laufstall bewegen muss, sind Hörner eine enorme Gefahr. Man sieht in Laufställen bei Tieren mit Hörnern auch oft Verletzungen, die durch die Hörner der anderen Kühe verursacht wurden.“

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) haben in den vergangenen Jahrzehnten diverse Projekte mit dem Ziel gestartet die Anzahl genetisch hornloser Tiere zu erhöhen. Dabei ist es erklärtes Ziel der Zucht auch das Leistungsvermögen der Tiere zu verbessern. Zuchtleiter Markus Schricker (LOR) vom Rinderzuchtverband Oberfranken erklärt: „Die Zucht genetisch hornloser Tiere hat in den 1960er Jahren im Fleischzuchtbereich begonnen. In den 70er Jahren weitete man die Zuchtversuche aus und begann Fleckvieh ohne Hörner für die Milchproduktion zu züchten. Diese gaben zu Anfang extrem wenig Milch. Durch weitere Zucht entstand schließlich ein erfolgreicher, hornlosvererbender Bulle, dessen Nachkommen auch für die Milchwirtschaft interessant waren.“ Die Rede ist hier von der natürlichen Hornloszucht. Durch natürliche Anpaarung wird das Hornlos-Gen dominant weitervererbt. In diesem Zuchtverfahren wird am Genom der Tiere nichts künstlich verändert. „Man muss eben züchten“, erläutert Schricker. „Und die Anpaarung muss passen. Schließlich gibt es ja auch noch weitere beachtenswerte Zuchtziele neben der Hornlosigkeit, wie zum Beispiel die Gesundheitswerte der Tiere.“

Die Tendenz in der Zucht von natürlich hornlosem Fleckvieh ist steigend. Das negative Image, das Hornlose früher hatten, bezog sich zum Beispiel auf schlechte Euter oder eine schlechte Milchleistung. Doch die Fortschritte in der Hornloszucht sind nicht zu übersehen und somit steigt auch die Nachfrage. Inzwischen können laut Markus Schricker auch hornlose Kühe auf Tierschauen zunehmend die vorderen Plätze mit guten Zuchtwerten und guter Leistung belegen, und unter den Zuchtbullen erzielen Hornlose mitunter Rekordsummen.

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