Interview

Unterstützung für Firmengründungen

Seit Oktober 2014 besteht die Stabsabteilung für Entrepreneurship und Innovation an der Universität Bayreuth. Die Serviceeinheit wurde von Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible eingerichtet. Bereits von Anfang an wurde die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer in die universitären Pläne eingebunden. Für das Herzkammermagazin sprach das Team von Gudrun Brendel-Fischer mit der Leiterin der Stabsabteilung Dr. Petra Beermann über die Hintergründe und Möglichkeiten ihres Wirkungsbereiches.

Team Brendel-Fischer: Frau Dr. Beermann, was sind die Ziele der Stabsabteilung für Entrepreneurship und Innovation?

Dr. Petra Beermann: Die Stabsabteilung hat das Ziel unternehmerisches Denken und Handeln bei den Studierenden und Mitarbeiter durch verschiedene Lehrangebote stärker zu fördern. Zudem ist sie zentrale Anlaufstelle für Unternehmen und andere regionale Anspruchsgruppen. Ziel ist es, Innovationsfähigkeit und -tätigkeit und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Sie stellt also eine Art Scharnierstelle zwischen dem inneren Kreis der Uni und den verschiedenen Bereichen außerhalb der Uni dar. Wir versuchen Formate auszubauen, die passgenau für die einzelnen Zielgruppen sind. Transfer fängt bei uns schon in der Lehre an, so dass schon Professoren und Studierende Konzepte entwickeln, wie beispielsweise neue Erkenntnisse in Wirtschaft und Gesellschaft überführt werden können. Das wird zum Teil schon heute praktiziert; wir versuchen es aber durch diverse Projekte weiter auszubauen.

Außerdem unterstützen wir Gründungsinteressierte aller Fakultäten, das heißt, wir versuchen Menschen mit Gründungsideen schon in der Anfangsphase abzuholen, ihnen alle Qualifikationen für eine erfolgreiche Selbständigkeit zu vermitteln und ihnen beratend zur Seite zu stehen. Mit der Technologieallianz Oberfranken (TAO), die alle vier Hochschulstandorte betreut, arbeiten wir eng zusammen und ergänzen uns hervorragend.

Team Brendel-Fischer: Wie läuft Ihre Unterstützung praktisch, also aus Sicht der Studierenden ab?

Dr. Petra Beermann: Wenn sich jemand mit Interesse an dem Thema Unternehmertum an uns wendet, bieten wir ihm Formate wie zum Beispiel „Entrepreneurial Thinking and Business Design“ an. Über ein ganzes Semester hinweg werden darin Theorien, Methoden und Wege erschlossen, wie Geschäftsmodelle entwickelt und der entsprechende Innovationsprozess angegangen werden könnte. Es hat sich gezeigt, dass bereits in einem halben Jahr verschiedene interessante Geschäftsideen entwickelt werden können. Das kann zum Beispiel eine eigene App oder ein Reinigungsservice für Trikots von Sporteinrichtungen sein. Man wird durch Lehrpersonal dabei unterstützt. Alle wichtigen Bereiche werden berücksichtigt. Vor allem wird auch überlegt, wie die eigene Einkommenssituation damit gestaltet werden könnte. Das Projekt kann dann wirklich umgesetzt werden oder man nutzt das erworbene Wissen als Rüstzeug für die Umsetzung späterer Ideen. Wir vermitteln eine Kompetenz, die es möglich macht nicht nur später in ein Angestelltenverhältnis einzutreten, sondern selbst ein Unternehmen zu gründen.

Team Brendel-Fischer: Aus welchen Studienrichtungen kommen die meisten potentiellen Gründer zu Ihnen?

Dr. Petra Beermann: Noch immer kommen die meisten aus der Betriebswirtschaft. Wir versuchen aber gezielt alle Fakultäten zu erreichen. Wir brauchen auch technische Innovationen und deren Überführung in neue Geschäftsmodelle. Es bilden sich zum Beispiel Teams aus Betriebswirten, Materialwissenschaften, Physikern und Juristen. Alle haben ihre Spezialkompetenzen. Die Veranstaltungsformate ermöglichen die Begegnung dieser Akteure und somit Ideen gemeinsam zu verfolgen. Ohnehin geht heutzutage die Entwicklung in die Richtung interdisziplinärer Arbeit und der Verschmelzung von Kompetenzen. Meist sind es Teams aus zwei oder drei Leuten die gemeinsam an den Start gehen.

Team Brendel-Fischer: Bitte nennen Sie uns ein Beispiel für eine erfolgreiche Gründung.

Dr. Petra Beermann: Erfolgreiche Gründungen aus dem universitären Umfeld gibt es bereits zahlreiche. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Bayreuther Startup ist die Space Wallet GbR von René Seppeur und Matthias Groo. Das das sind kleine Geldbeutel, die in die Hosentasche passen. Seppeur und Groo haben sich schon im Studium gegründet und sind inzwischen auch international vertreten. Oder die „Initiative-Gesunder-Betrieb gGmbh“ aus dem Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Diese Gründungen haben in ihren Bereichen den Zahn der Zeit getroffen.

Team Brendel-Fischer: Wie stark sind Frauen unter den Gründern vertreten?

Dr. Petra Beermann: Frauen sind leider noch zu wenig gründungsaffin. Die Mehrzahl sind noch immer Männer, aber der Frauenanteil ist steigend. Frauen sollten sich mehr zutrauen und sich offensiver für ihre Ziele einsetzen. Sie sind meistens hervorragend organisiert. Und das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung.

Team Brendel-Fischer: Was kann man aus Ihrer Sicht noch tun, um Innovation und Gründungen zu fördern?

Dr. Petra Beermann: Wir brauchen Raum für Gründungsinteressierte am Campus, wo sie unter Betreuung ihre Ideen weiterentwickeln können. Und wir brauchen Raum für Begegnungen und den Austausch zwischen der Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Die Universität Bayreuth möchte deshalb auf dem Universitätsgelände ein Institut für Entrepreneurship und Innovation mit Innovationswerkstatt einrichten. Mit dem Institut wird der Zugang zu universitären Ressourcen erheblich erleichtert werden. Gleichzeitig sollen durch zusätzliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Bereich Transfer (Technologiescouts etc.) verstärkt Kooperationen angestoßen, begleitet und möglichst in strategische Partnerschaften überführt werden. Hierbei wird unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit den kommunalen Gebietskörperschaften, Kammern und Verbänden erfolgen, Entrepreneurship und Innovation ist in unmittelbarer Nähe zur Universität Bayreuth ein Regionales Innovationszentrum (RIZ) in Trägerschaft der Stadt Bayreuth geplant. Die Leitungsebenen beider Einrichtungen werden eng zusammenarbeiten, da nur so der Zugang zur Wissenschaft (Lehre, Forschung) und der Transfer wissenschaftlichen Konw-Hows in die Wirtschaft sichergestellt werden kann.

Team Brendel-Fischer: Wie können wir die neu gegründeten Unternehmen in Bayreuth halten?

Dr. Petra Beermann: Ein Standort der Inspiration, wo sich Menschen treffen und austauschen können, ist nötig. Nur Raum schaffen reicht nicht. Wir versuchen immer deutlich zu machen, dass Standorte, die funktionieren, Esprit und eine Kultur haben. Die Standortentscheidung der Unternehmen passiert auch sehr stark aus dem Gefühl heraus. Damit dieser „Raum der Inspiration“ entsteht, müssen alle regionalen Akteure daran mitwirken. Startups bisher etablierter Unternehmen müssen dauerhaft gefördert bzw. die Rahmenbedingungen für Stabilität und Wachstum gesichert werden.

Team Brendel-Fischer:  Frau Dr. Beermann, vielen Dank für das Gespräch.

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