Inklusion

„Augenmaß für die Inklusion“ – die Lebenshilfe ERH

Die Lebenshilfe Erlangen-Höchstadt mit Sitz in Herzogenaurach blickt 2017 auf 50 Jahre erfolg- und segensreiches Wirken im Dienste geistig behinderter Menschen und ihrer Angehörigen zurück. 400 engagierte Mitarbeiter haben heute rund 1000 behinderte Menschen in ihrer Obhut, darüber hinaus ist die Lebenshilfe Träger von Kindertageseinrichtungen und von Diensten für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen. Ebenso bietet sie Angebote für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung.

Die Vereinigung wird dabei heute von einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat geführt, der wiederum einen geschäftsführenden Vorstand bestimmt. Aufsichtsratsvorsitzender ist Ulrich Wustmann, seine Stellvertreterin heißt Claudia Bach, die Gattin des IOC-Präsidenten Dr. Thomas Bach. Josef Hennemann ist der Geschäftsführer der Lebenshilfe.

Eines der zentralen Ziele der Lebenshilfe ist dabei die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, wozu auch das Thema Inklusion gehört, verstanden als gleichberechtigte Teilhabe sowohl am gesellschaftlichen Leben als auch im Arbeitsleben. Auch der Landtagsabgeordnete und oberste Entbürokratisierer im Freistaat Walter Nussel ist angetan von den Leistungen der Lebenshilfe, nicht zuletzt weil ihm familiäre Erfahrungen „einen gewissen Einblick“ gestatten. Er spricht sich dafür aus, dieses Thema nicht zu überfrachten und vor allem nicht ideologisch aufzuladen. Jede Behinderung ist anders, so der Herzogenauracher, schon deshalb könnten nicht alle Menschen mit Behinderung „in jede Schule gehen“. Dies würde nur überfordern.

Ulrich Wustmann, ein Urgestein der Lebenshilfe im Raum Erlangen-Höchstadt und aufgrund seiner familiären Situation ebenfalls sehr erfahren auf diesem sensiblen Gebiet, bestätigt, dass Walter Nussel schon lange einen engen Kontakt zur Lebenshilfe und den Menschen dort pflegt. Insbesondere während seiner drei Perioden als Bezirksrat habe er mit großem Engagement dafür gesorgt, dass die Sparpolitik des Bezirks nicht auf dem Rücken der Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen ausgetragen wurde.

Vor Ort informierte er sich damals immer wieder eingehend darüber, welche negativen Folgen angedachte Einsparungen hätten haben können – so war damals etwa die Streichung von bis zu drei Stellen im Gespräch. Wie Wustmann sich erinnert, habe Nussel die Demonstration vor dem Ansbacher Bezirksrathaus unterstützt und auch in der CSU-Fraktion sein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen mit dem Erfolg, „dass alle Maßnahmen wieder einkassiert“ wurden. „Er fragt nicht lange, sondern packt an und ist immer präsent, wenn er gebraucht wird“, lobt Wustmann den heutigen Abgeordneten.

Zum Thema Inklusion bescheinigt er Nussel einen „gesunden Blick“. Das Ganze müsse differenziert gesehen werden und man könne durchaus geteilter Meinung sein. Denn es sei oft schwierig, Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Schulen einzugliedern, die diesen Bedürfnissen nicht gerecht werden können und solange man Inklusion nur als willkommene Gelegenheit für Sparmaßnahmen betrachtet. Dies zeige etwa das Negativbeispiel Nordrhein-Westfalen. Für Wustmann ist das bayerische Schulsystem, das nach wie vor das Förderschulsystem aufrecht erhält und den Eltern der betroffenen Schüler die Wahl der Schulform überlässt, im Ganzen gesehen zwar nicht gerade billig, weil verschiedene Schienen vorhanden sind. Dadurch gelänge es hier jedoch, Kinder nicht zu über- bzw. zu unterfordern. Das gelte auch und besonders für Schüler mit Behinderung. Deshalb Wustmanns Credo: „Ein Augenmaß für die Inklusion.“