Wo im Ehrenamt der Schuh drückt...

Ehrenamt ist unverzichtbarer Teil unserer Heimat Bayern!

Martin Huber
„Wir freuen uns auf viele Hausaufgaben heute Abend!“ mit diesen Worten eröffnete Dr. Martin Huber die siebte Ausgabe seines Bürgerforums „Treffpunkt Tacheles“ zum Thema Ehrenamt. Er forderte die Ehrenamtlichen auf, zu erklären, wo „der Schuh drückt“. Das Ehrenamt sei wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ohne ehrenamtliche Helfer könnte das Gemeinwesen in Bayern nicht funktionieren. Deshalb müsse man alles tun, um ehrenamtliches Engagement zu fördern.
 
Wie wichtig das Ehrenamt für Bayern ist, stellte Huber in seiner Rede dar: „Rund 36 Prozent der Menschen über 14 Jahre, also fast 3,8 Millionen Menschen, sind ehrenamtlich tätig. Rund 320.000 ehrenamtliche Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen sind bayernweit bei über 7.600 freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Alleine diese Zahlen verdeutlichen, welch hohen Stellenwert das Ehrenamt in Bayern hat.“

Gastredner Dr. Gerhard Hopp, jugendpolitischer Sprecher der CSU im Landtag lobte ebenfalls das große ehrenamtliche Engagement in Bayern. „Wie sähe ein Schultag ohne das Ehrenamt aus? Keine Schulweghelfer, eine vom Autounfall blockierte Straße, kein Elternbeirat, kein Fußball am Nachmittag und keine Feuerwehrübung am Abend. Das tägliche Leben in Bayern würde zusammenbrechen“, so Hopp.

Um eine solche Situation nie entstehen zu lassen, fördere der Freistaat Ehrenamtliche nach Kräften. So sei die Retterfreistellung und die Freistellung für ehrenamtlich tätige Jugendliche jüngst erweitert worden. Mit der Ehrenamtsversicherung, den Koordinierungsstellen Ehrenamt, der Ehrenamtspauschale und der Übungsleiterpauschale gibt es weitere Instrumente, um das Ehrenamt zu fördern. Noch wichtiger sei für die Ehrenamtlichen aber die Anerkennung. „Ihre ehrenamtliche Arbeit wird wertgeschätzt!“, rief Hopp den Anwesenden zu. Dafür gebe es auch den Innovationspreis Ehrenamt und 2 Millionen Euro für neue ehrenamtliche Projekte in der Ehrenamtsstiftung.

Der Freistaat müsse die Ehrenamtlichen nach Kräften unterstützen und bürokratische Hürden abbauen. Der Punkt Bürokratie war dann auch das Thema, das die Gemüter im Saal am meisten bewegte. Alleine um eine Steuererklärung auszufüllen, müsse man heutzutage als Ehrenamtlicher studiert haben, so ein Teilnehmer. Auch bei Haftungsfragen und bei der GEMA beklagten sich die Zuhörer über zu wenig Flexibilität im Umgang mit den Ehrenamtlichen. Die Refinanzierung der Vereinsarbeit kam ebenso zur Sprache wie die Gewinnung von jungen Mitgliedern. Die Jugend sei immer stärker an Projektarbeit interessiert statt sich fest an einen Verein zu binden. Darauf müssten die Vereine und Verbände sich auch einstellen. Es sei aber falsch, dass die Jugend nicht mehr an ehrenamtlichem Engagement interessiert sei.

„Im Gegenteil!“ meinte Martin Huber. „Das Ehrenamt wird in Zukunft noch wichtiger. Die Jugend heutzutage übernimmt wieder mehr Verantwortung und es gibt eine Generation von älteren Menschen, die sich auch in der Rente noch engagieren wollen. Wir werden uns im Landtag konkret dafür einsetzen, dass ehrenamtliches Engagement unkompliziert und unbürokratisch möglich ist. Keine Hürden mehr für ehrenamtliches Engagement!“, so Huber.

In TED-Umfragen wurden die Gäste zum Ehrenamt befragt. Die Ergebnisse stimmten zuversichtlich. Der Hauptgrund für die Anwesenden, sich ehrenamtlich zu engagieren war mit 67 Prozent „Verantwortung und Kreativität“. Auf den Plätzen folgten „Spaß und Erfüllung“ (19 %) und „Weitblick und Entwicklung“ (15 %). Interessant war die Antwort auf die Frage „Wie viele Stunden wenden Sie wöchentlich für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf?“ Immerhin 36 Prozent gaben an, sich mehr als zehn Stunden zu engagieren. 34 Prozent sagten 5-10 Stunden und ein Viertel der Anwesenden engagiert sich 1-4 Stunden wöchentlich.

Gefragt nach der Würdigung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gaben 43 Prozent an, dass ihre Arbeit  gar nicht gewürdigt (2 %) oder größtenteils als selbstverständlich angesehen (41 %) werde. Mit 57 Prozent waren diejenigen in der Mehrheit, die sich für ihr Ehrenamt geschätzt fühlen („Spüre Rückendeckung und werde gelobt“ 20 Prozent; „Ab und an ein kleines Dankeschön“ 37 Prozent).

Die größten Herausforderung bestehen für das Ehrenamt in folgenden Bereichen: Bürokratie (46 %), Veränderung der Arbeitswelt (26%), Demographischer Wandel (21 %), Digitalisierung (3 %) und Flüchtlinge (3 %).

Zuletzt wurde gefragt, ob das Ehrenamt überleben könne. Eine Mehrheit von 51 Prozent war der Meinung, dass es nicht überleben könne, weil die Anforderungen immer höher würden. Neue Formen des Ehrenamts seien notwendig. 11 Prozent gaben an, dass das Ehrenamt überleben werde, weil es sich bewährt habe, 38 Prozent meinte, das Ehrenamt müsse sich weiter professionalisieren.