Integration

Wenn Konzertveranstalter Brücken bauen

Das Herzkammer-Team trifft Christoph Scholz von "Semmel Concerts" und seinen neuen Mitarbeiter

Was hat Helene Fischer mit dem legendären Pharao Tutanchamun zu tun?

Wer als Passant in der Straße „Am Mühlgraben“ in Bayreuth unterwegs ist, erwartet kaum, dass sich in einem der unauffälligen Mehrfamilienhäuser die Büros eines von Deutschlands führenden Konzertveranstaltern Semmel Concerts verbergen. Mit Niederlassungen in Köln, Hamburg, Berlin oder München ist die Firma deutschlandweit vertreten und international aktiv. Die Ausstellung „Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ tourt seit 2009 durch Europa. In wenigen Tagen eröffnet die Street-Art-Ausstellung „Magic City“ nach München nun in Stockholm. Semmel Concerts verbindet also Modernes und Antikes.

Leiter der Ausstellungssparte von Semmel Concerts ist Christoph Scholz. Geboren in Thüringen, aufgewachsen in Berlin und nun Weltenbummler mit Wohnort in Bayreuth. „Das Leben als Weltenbummler hat sich so ergeben und ich genieße es sehr“, sagt Scholz „Man ist im Konzert- und Ausstellungsbetrieb viel unterwegs. Am Schönsten ist es allerdings, immer wieder nach Bayreuth zurückzukehren“. Wenn er nach einer langen Reise am frühen Morgen zurückkommt, geht er gerne zu einer der ortsansässigen Bäckereien, um der Familie frische Brötchen mitzubringen. Es sind für ihn gerade die kulinarischen Besonderheiten, die Oberfranken auszeichnen. Die fränkische Back-, Brau- und Kochkunst bedeuten für ihn und auch seiner Familie ein ganz starkes Stück Heimat.

Doch für Christoph Scholz ist es nicht damit getan, Bayreuth als beschaulichen Wohnort zu betrachten. Seit 2015 setzt sich das CSU-Mitglied im Rahmen des Bayreuther Arbeitskreises „Migration“ aktiv mit dem Thema Flüchtlinge auseinander. Darüber hinaus arbeitet nun seit einem halben Jahr Alaa Sadeldeen bei Semmel Concerts. Nach seinem erfolgreich absolvierten Praktikum bekam er einen festen Platz im Team von Christoph Scholz. „Wir müssen ja sehen, wie wir diese neuen Mitbürger bestmöglich in unsere Gesellschaft integrieren. Als Unternehmen haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden“, betont Scholz.

Der 26-jährige Sadeldeen stammt aus Syrien. Seine Eltern haben ebenfalls Syrien verlassen und leben in Jordanien. Aufgrund seines subsidiären Schutzstatus ist es ihm nicht möglich, seine Eltern oder seine Frau nach Deutschland zu holen. Diese lebt nun mit ihren Eltern in Schweden. „Heimat, das sind für mich vor allem die Erinnerungen an mein Elternhaus in Syrien“, sagt Sadeldeen. „Ich habe Erinnerungen, aber keine Erinnerungsstücke an diese Zeit. Wenn eine Bombe auf das Haus fällt, denkt man nur an das Überleben. Das Bedürfnis nach Erinnerungen kommt erst später. Um mich wirklich in Deutschland heimisch zu fühlen, fehlt mir meine Frau. Ich habe in den zwei Jahren in Deutschland sehr nette Menschen kennengelernt, die mir viel geholfen haben. Aber es ist nicht einfach ohne Familie“, fügt er hinzu. „Bayreuth ist eine schöne Stadt. Ich konnte hier an der Uni die Sprache lernen und diesen Arbeitsplatz finden. Das mit der Familienzusammenführung ist das größte Problem. Aber wir haben keine andere Wahl, als die Situation zu akzeptieren. Wir müssen an die Zukunft denken“.

Das Schicksal von Alaa Sadeldeen macht betroffen und traurig, gleichzeitig kann es auch Hoffnung vermitteln. Alle zwei Jahre veranstaltet SC Exhibitions eine Konferenz, das Touring Exhibitions Meeting. Veranstalter aus aller Welt finden sich dort zum Erfahrungsaustausch ein. Dieses Treffen im September wurde für Alaa Sadeldeens der erste Einsatz im Team. Er hielt dort den Eröffnungsvortrag. „Er sprach über seine Flucht“, erzählt Christoph Scholz. „Wir haben ihn als unseren neuen Kollegen vorgestellt. Für die Anwesenden war es sehr inspirierend diese Geschichte derartig ungefiltert zu erfahren. Die anderen Unternehmer wollten wir damit animieren, darüber nachzudenken, auch jemanden mit Fluchthintergrund einzustellen. Wenn sich jedes Unternehmen im Rahmen seiner Möglichkeiten um einen oder zwei Menschen wie Alaa kümmern würde, kämen wir mit der Integration ein ganzes Stück weiter.“

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