Graduiertenschule für Afrikastudien

Das Projekt BIGSAS@school im Dialog mit Schülerinnen und Schülern

Als zweitgrößter Kontinent der Erde ist Afrika etwa dreimal so groß wie Europa und macht rund 22 % der Landfläche des Globusses aus. In 54 unabhängigen Staaten leben derzeit rund 1,1 Milliarden Menschen. Alleine in den Ländern südlich der Sahara spricht man Schätzungen zufolge circa 2.000 Sprachen.

Trotz dieser großen Vielfalt wird Afrika häufig entweder mit Blick auf die überwältigende Natur als Paradies verklärt oder als Hölle mit Blick auf Kriege, Hungerkatastrophen und HIV. Die Unterschiede zwischen den Staaten werden wenig gesehen, nicht selten wird der afrikanische Kontinent als ein einziges Land betrachtet. Wie absurd das ist, zeigt sich schon alleine an der einfachen Tatsache, dass Bayreuth näher an der malischen Hauptstadt Bamako liegt als die südafrikanische Hauptstadt Pretoria. Sowohl in der medialen Berichterstattung als auch in vielen deutschen Schulbüchern werden Vorurteile und Stereotypen häufig gestützt. Darstellungen aus afrikanischer Sicht und Positivbeispiele aus dem Alltag sind extrem selten oder fehlen ganz.

Um Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, vorgefertigte Meinungen zu berichtigen und ihr Wissen über Afrika zu erweitern wurde 2012 von der Bayreuther Graduiertenschule für Afrikastudien (Bayreuth International Graduate School of African Studies – BIGSAS) das Projekt BIGSAS@school ins Leben gerufen. BIGSAS Doktorandinnen und Doktoranden besuchen Gymnasien und Grundschulen, um mit den Schulklassen über ihre Erfahrungen aus ihren Heimatländern bzw. ihren Forschungsaufenthalten in Afrika zu berichten. Darüber hinaus haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit mit den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zu diskutieren und ihnen Fragen zu stellen.

Dr. Jennifer Scheffler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema „Afrika als fächerübergreifendes Thema im Sekundarschulunterricht“ und hat an zahlreichen BIGSAS-Schulbesuchen teilgenommen. „Afrika ist nicht gleich Afrika“, sagt Dr. Scheffler. „Jeder Staat und jeder Mensch hat seine individuelle Geschichte. Wir wollen durch Begegnung den vielen Klischees etwas Authentisches entgegensetzen“. Jede Schule und jede Klasse ist anders. Die Fragen der Schülerinnen und Schüler sind häufig autobiografischer Natur oder betreffen das Alltagsleben der Referentinnen und Referenten. „Zu einer interessanten Diskussion führte es, als eine Kollegin erzählte, dass sie das fünfte von insgesamt elf Geschwistern sei und es trotzdem in eine universitäre Laufbahn geschafft habe“, berichtet Dr. Scheffler.

Es haben bereits Schulen in Bayreuth, Bamberg, Coburg und Hollfeld an dem Projekt teilgenommen. Meist umfassen die Vorträge zwei Schulstunden. Es gab aber auch schon Projekttage und ein P-Seminar.

BIGSAS-Absolventin Dr. Scheffler erläutert: „Die BIGSAS wird als Teil der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Die Erfolge der Graduiertenschule aus der ersten Förderphase von 2008 bis 2012 veranlassten das damalige Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zur Einrichtung von drei neuen, wegweisenden Juniorprofessuren sowie einer weiteren Mitarbeiterstelle im Bereich der Afrikawissenschaften an der Universität Bayreuth. In der laufenden Förderphase sind dadurch laut Auskunft des Staatsministeriums über zwei Millionen Euro vom Freistaat an die Universität Bayreuth geflossen“.

Weiterführende Informationen erhalten Sie bei Projektbetreuerin Mirjam Strasser unter: mirjam.strasser@uni-bayreuth.de.