Hightech-Werkstatt

Herr Soybaba und das fabelhafte Labor des Neil A. Gershenfeld

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Demokratisierung von Hightech und offener Zugang zu digitalen Fabrikationsmaschinen für alle Menschen. Das sind Zielsetzungen der sogenannten „fabrication laboratories“, kurz: FabLabs, die der US- amerikanische Physiker Neil A. Gershenfeld im Jahr 2002 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gründete.

Erster Vorsitzender des FabLab Bayreuth e. V. ist Yomettin Soybaba. Hauptberuflich ist Herr Soybaba Lehrer am Staatsinstitut für Fachlehrer in Bayreuth. Im Jahr 2013 war er maßgeblich an der Gründung des FabLab Bayreuth beteiligt und setzt sich bis heute gemeinsam mit seinen Mitstreitern für die Belange dieser offenen Hightech-Werkstatt ein. „Als gemeinnütziger Verein finanzieren wir uns überwiegend aus Spenden und erzielen geringe Einnahmen durch die Mitgliedsbeiträge und Workshop Einnahmen“, erklärt Soybaba. Die Einnahmen fließen zu 100 Prozent in die Instandhaltung und Verbesserung der Ausstattung. Ohne öffentliche Mittel ist der Fortbestand des FabLabs nie wirklich gesichert.

„Unser Hauptsponsor, der Unternehmer Christian Wedlich, hat damals sofort erkannt, welches Potential für die Region im Konzept „FabLab“ steckt. Vermutlich wären wir heute nicht so erfolgreich, wenn er und einige weitere Förderer aus der Wirtschaft nicht gewesen wären“, so Yomettin Soybaba. „Von der Stadt Bayreuth kam bis heute keine Unterstützung. Wedlich vermietet uns unsere Räume kostenlos und übernimmt sogar die Nebenkosten“. Doch mit der steigenden Nachfrage wächst auch der Bedarf nach mehr Platz.

Auch mit Unterstützung des Freistaates Bayern hat die Universität Bayreuth den Bereich Entrepreneurship immer weiter ausgebaut. Die Stadträte Michael Hohl und Christian Wedlich haben einen Antrag zur Unterbringung des FabLab am geplanten Gründerzentrum der Uni gestellt. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

Das FabLab in Bayreuth ist Teil einer globalen Bewegung. Als Lernorte außerhalb des regulären Schul- oder Hochschulsystems bieten die FabLabs Raum für informelles Lernen. Ganz im Sinne der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, die das Recht auf Bildung als Menschenrecht festlegt, erhalten Interessierte unabhängig von Herkunft, Alter oder Bildungshintergrund Zugang zu den Werkstätten der FabLabs und die Möglichkeit zum Informations- und Wissensaustausch. Ob in Norilsk, Jalalabad, Windhoek oder in der Ritter-von-Eitzensberger-Staße in Bayreuth, es arbeiten hier Schülerinnen, Rentner, Wissenschaftler/innen oder Studenten an den unterschiedlichsten Projekten aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Technik. Sie erschaffen Spielzeuge, Bauteile, Quadrokopter, Designobjekte oder drucken selbstentworfene Logos auf Textilien. Die Produkte sind ebenso vielfältig wie die „Maker“.

Grundliegende Regeln für die FabLabs sind in der internationalen „Fab Charter“ festgelegt. Sie bieten den Benutzern sowohl einen Einblick in das Selbstverständnis der FabLabs, als auch Orientierung zu Fragen wie Geheimhaltung, Sicherheit, Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung.

Die Grundausstattung der FabLabs ist überall auf der Welt ähnlich. Besuchern der Bayreuther Werkstatt stehen auf 200 Quadratmetern zurzeit 3D-Drucker, Folienplotter, eine CNC-Fräse, eine Transferpresse, 3D-Scanner, eine Lasercutter- und eine Stickmaschine bereit. Nach der entsprechenden Einführung darf jeder diese Geräte benutzen. Mehr als 1000 junge Menschen aus ganz Oberfranken haben seit der Gründung an MINT-Workshops teilgenommen. Woche für Woche wird entworfen, getüftelt und gestaunt über das, was machbar ist, wenn der Kreativität Raum und das entsprechende Rüstzeug gegeben wird.