Ausbildungsbetriebe in der JVA Bayreuth

Wie der Gefangene Tom H. seinen Tag in der Bäckerei erlebt

Vorweihnachtlicher Plätzchenduft liegt in der Luft. In der Backstube herrscht Betriebsamkeit. Große Regale mit Brotlaiben und Nusskuchen stehen zwischen Öfen und Arbeitsplatten. Ein ganz normaler Alltag in einer Bäckerei, möchte man meinen, wären da nicht die Eisengitter vor den Fenstern, die daran erinnern, dass sich diese Backstube in einem Gefängnis, der Justizvollzugsanstalt Bayreuth, befindet. Hier wird das Backwerk für die gesamte JVA Bayreuth und für die JVA Hof hergestellt. Bei einer Belegungsfähigkeit von 899 Personen sind in Bayreuth derzeit 918 Personen inhaftiert. Es gibt viel zu tun. Vor allem in dieser Jahreszeit.

Der Gefangene Tom H. bereitet gerade den Teig für die Weihnachtsstollen zu. Herr H. ist Auszubildender im Bäckerhandwerk und befindet sich in seinem 3. Lehrjahr. Kurz nach Beginn seiner Inhaftierung fing er diese Ausbildung an. Das Bäckerhandwerk hat Nachwuchsprobleme. Viele junge Menschen scheuen den Arbeitsbeginn um 5.00 Uhr oder bereits um 3.00 Uhr morgens. Tom H. machen diese Arbeitszeiten jedoch nichts aus.

Der Bäckermeister, Herr Reiß, schaut Tom H. flüchtig über die Schulter. Man sieht ihm an, dass er äußerst zufrieden mit der Arbeit seines Lehrlings ist. „Kürzlich kam Post von einem ehemaligen Auszubildenden“, berichtet er stolz. „Er ist inzwischen wieder in Freiheit und konnte erfolgreich nach der Haft mit einer Stelle an die Ausbildung bei uns anknüpfen“. Hier lernt man das Bäckerhandwerk von der Pike auf. Das Brot wird noch mit echtem Sauerteig zubereitet. Die Ausbildungsbetriebe der JVA Bayreuth müssen den Vergleich mit Betrieben „draußen“ nicht scheuen.

Alle Ausbildungsbetriebe in der JVA sind mit Meistern besetzt. Neben der Bäckerei gibt es unter anderem eine Kfz-Werkstatt, eine Schreinerei und einen Malerbetrieb. Die Inhaftierten können sich auch zum Installateur, Elektriker oder Schlosser ausbilden lassen. Zurzeit sind jedoch nur 8 der 20 verfügbaren Ausbildungsplätze besetzt. Für die Zulassung zur Ausbildung sind neben dem erfolgreichen Schulabschluss auch die Motivation, Art des Deliktes oder die Dauer der Haft entscheidende Kriterien.

Manche Ausbildungsbereiche erfordern Freigang, um bestimmte Kurse besuchen zu können. Das darf nicht jeder Gefangene. Auch ist die Haftdauer in einigen Fällen kürzer als die Ausbildungsdauer. In diesen Fällen bietet die JVA Bayreuth anstelle von Ausbildungen Kurse in EDV oder als Schweißer an.

Auch kann der Quali (Qualifizierender Hauptschulabschluss) oder der Realschulabschluss an der JVA nachgeholt werden. Die Abschlüsse sind den Abschlüssen staatlicher/öffentlicher Schulen gleichwertig. Die Zeugnisse und Zertifikate tragen keinen JVA-Stempel.

Auch während seiner anstrengenden Arbeit in der Backstube oder beim Lernen für die Prüfungen vergesse er nie, wo er gerade sei und vor allem warum, betont Tom H.

Wenn er nach dreieinhalb Jahren aus der Haft entlassen wird, hat er mit bestandener Ausbildung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Bald ist Gesellenprüfung.