Thema: Digitalisierung in der Bildung

Interview mit MdL Manfred Ländner

MdL Manfred Ländner ist Mitglied im Bildungsausschuss und seit ein paar Monaten auch Sprecher für Digitalisierung im Bildungsarbeitskreis der CSU-Landtagsfraktion. Wir haben ihm ein paar Fragen zum Thema „Digitalisierung im Bildungsbereich“ gestellt.

1. Inwiefern verändern die neuen digitalen Möglichkeiten das Lernen im Freistaat?

Die Digitalisierung verändert das Lernen, aber auch das Lehren wie keine andere gesellschaftliche Entwicklung zuvor. Das muss es auch, denn nur ein Nachwuchs, der „digital fit“ ist, sorgt dafür, dass wir in Bayern auch zukünftig weiterhin wettbewerbsfähig und innovativ bleiben. Mit dem digitalen Klassenzimmer, das wir an allen bayerischen Schulen und auch an Berufsschulen einführen werden, verbessern wir nicht nur die Ausstattung des Unterrichts mit Laptops und Tablets. An allen weiterführenden Schulen wird Informatik in Zukunft ein Pflichtfach sein. Die Nutzung digitaler Lernplattformen wird im Unterricht nicht mehr Ausnahme, sondern Normalität sein. Wichtig ist auch, unsere Lehrer in Bayern mit digitalen Fähigkeiten auszustatten und sie für das Fach Informatik nachträglich zu qualifizieren. Mögliche Verunsicherungen und Vorurteile, die mit dem Wandel einhergehen, lassen sich nur durch Wissensvermittlung abbauen. Das fängt bei den Pädagogen an.

2. Worin sehen Sie die größte Chance der Digitalisierung?

Die Digitalisierung wird noch mehr als heute schon möglich ist, die individuelle Förderung unterstützen. Der einzelne Schüler muss sich dann nicht mehr einem Schulbuch anpassen, sondern eine Lernsoftware holt ihn dort ab, wo er steht. Unsere Lehrer stehen vor der großen Herausforderung, dass Schulklassen immer heterogener werden, auch zum Beispiel durch Inklusion und Zuwanderung. Mithilfe der neuen Medien, die unterschiedliche Lernmethoden bieten, wird es für Lehrer leichter sein, die individuellen Stärken und Schwächen eines Schülers zu erkennen und ihn entsprechend seinem Lerntempo zu fördern. Das wird nicht zuletzt auch zu mehr Chancengerechtigkeit führen.

3. Gibt es auch Risiken? Wenn ja, wie lassen sich diese minimalisieren?

Jede Veränderung birgt Chancen und Risiken, so auch die Digitalisierung. Hier spielt besonders der verantwortungsvolle und reflektierte Umgang mit den neuen Medien eine Rolle. Gerade im Bildungsbereich ist die Vermittlung von Mediennutzungskompetenz essenziell. In Bayern wird es deswegen ein Modellprojekt „Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken“ geben sowie eine Informationskampagne für Eltern und Fachkräfte.

Auch benötigen wir klare Richtlinien, z.B. beim Datenschutz. Und dann ist klar, dass Methoden und Konzepte der Digitalisierung in der Bildung auch immer wieder überprüft und verbessert werden müssen. Ich erachte daher den regelmäßigen Erfahrungsaustausch der Schulen untereinander für sehr wichtig.

4. Durch die Digitalisierung kommen hohe Kosten auf die einzelnen Schulen zu. Welche Unterstützung bietet der Freistaat?

Wir dürfen die Schulen beim Thema Digitalisierung und digitales Lernen nicht alleine lassen. Der Masterplan BAYERN DIGITAL II ist eine umfassende mehrjährige Initiative des Freistaats und sieht als ersten Schritt allein für den Nachtragshaushalt 2018 zunächst 50,6 Millionen sowie eine Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 158,5 Millionen Euro vor. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sollen weitere Schritte folgen. Dazu zählen auch Förderprogramme für die Kommunen, die auf mehrere Jahre angelegt sind. Sie sollen insgesamt einen Umfang von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag umfassen.

Jede Schule muss die Möglichkeit erhalten, ihre Klassenzimmer digital auszustatten, unabhängig von der Finanzsituation ihrer Kommune. Nur so erreichen wir für alle Schulen in ganz Bayern Chancengleichheit.

5. Widerspricht das aktuelle Handygesetz nicht den Anforderungen an einen digitalen Unterricht?

Nein, denn es gibt kein generelles Handyverbot in Bayern, sondern Regeln für die Nutzung des Handys. Das heißt, der Gebrauch des Mobiltelefons ist an Bayerischen Schulen verboten, sofern es nicht durch die jeweiligen Lehrkräfte über eine Ausnahme geregelt wird. Dies liegt jedoch im Ermessen der Lehrkraft und/oder der Schulinstitution. So können Handys im Unterricht zum Beispiel für Recherchen oder für die Vermittlung eines verantwortlichen Umgangs mit digitalen Medien eingesetzt werden. Mit dem Gesetz wollen wir eine unnötige Störung und Ablenkung vom Unterricht und dem Schulleben vermeiden. Auch möchten wir auf dem Schulgelände missbräuchliche Nutzung wie zum Beispiel Cybermobbing oder das Abrufen von jugendgefährdenden Inhalten verhindern. Trotzdem werden wir auf die sich verändernden Zeiten reagieren. Unser Kultusminister hat zu einem Runden Tisch mit allen Vertretern der Schulfamilie eingeladen, bei dem die bestehende Regelung aus dem Jahr 2006 diskutiert werden soll. Allerdings halte ich es nicht für sinnvoll, die Regelung jeder Schule selbst zu überlassen, sondern plädiere für eine bayernweite einheitliche Lösung. Klare Rahmenbedingungen helfen auch den Schulen.