Reportage

Die Natur immer im Blick

Landwirtschaft und Umweltschutz sind kein Widerspruch. Viele Landwirte betreiben von sich aus aktiven Naturschutz, denn die Landschaft und Artenvielfalt liegt ihnen genauso am Herzen wie die Landbewirtschaftung. Um einen zusätzlichen Anreiz für umweltschonende Maßnahmen zu setzen, gewährt Bayern mit seinem einzigartigen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) Landwirten bereits seit 1988 Ausgleichszahlungen für umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Bei einem Vor-Ort-Besuch in Niederbayern zeigte uns Georg Mayerhofer KULAP in der Praxis.

 

Georg Mayerhofer steht auf seinem Maisfeld in Parschalling in Niederbayern. Er hält eine junge Maispflanze vor die Kamera. Den YouTube-Nutzern seines Videoblogs erklärt er die Vorteile des sogenannten Strip-Till-Verfahrens, einer Bodenbearbeitung, die Felder besser vor Erosion schützt.

Über 30 Videobeiträge hat Mayerhofer, der im vergangenen Jahr mit dem Ceres Award als bester Landwirt Deutschlands ausgezeichnet wurde, bereits auf seiner Website und seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Erklären, wie Landwirtschaft funktioniert – das ist ihm ein wichtiges Anliegen. Dafür nutzt er neue Medien genauso wie Flurbegehungen, Feldtafeln oder sein großes Hoffest, zu dem er Aussteller und spannende Gesprächspartner einlädt und mit regionalen Produkten für das leibliche Wohl seiner Gäste sorgt.

Der Obermoahof ist ein Familienunternehmen. Vier Generationen leben hier zusammen. Ackerbau, Schweinemast sowie die Erzeugung von Strom und Wärme durch eine Biogasanlage sind die Standbeine des landwirtschaftlichen Betriebs.

Für Georg Mayerhofer, Landwirt aus Parschalling, gehen Landwirtschaft und Umweltschutz bestens zusammen. Am Rand seines Sojafelds hat er einen Gewässerschutzstreifen angelegt, in dem verschiedene Tierarten einen Rückzugsort finden.

 

„Die Landwirtschaft muss zurück in die Mitte der Gesellschaft", wünscht sich Georg Mayerhofer. „Dafür braucht es einen ehrlichen und vor allem sachlichen Dialog." Dass Diskussionen, wie beispielsweise um das Thema Glyphosat, oftmals viel zu emotional geführt würden, bedauert er. Vereinfachende Botschaften, Halbwissen oder schlichtweg auch falsche Informationen dominierten dann schnell die Schlagzeilen in Presse und den sozialen Netzwerken. „Es ist ganz natürlich, dass die Menschen versuchen, sich die Welt einfach zu machen, aber die Praxis sieht anders aus. Wenn mein Feld durch Erosion oder Schädlingsbefall keinen Ertrag erwirtschaftet, haben meine Familie und ich einen direkten wirtschaftlichen Verlust. Verbote allein sind da keine Lösung. Wir brauchen kluge Strategien, wie die Landwirtschaft auch in Zukunft tragfähig ist."

Über solche Zukunftsstrategien denkt Mayerhofer fast täglich nach. Den oftmals zitierten Gegensatz zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gibt es dabei für ihn nicht. Für Mayerhofer, selbst Imker und Jäger, gehören Landwirtschaft und die Sorge für Natur und Umwelt unabdingbar zusammen.

Mayerhofer macht daher auch beim bayerischen KULAP mit, das Landwirte für Umweltschutzmaßnahmen finanziell bezuschusst. Bereits seit 1988 gibt es das Förderprogramm, jeder zweite bayerische Landwirt nimmt aktuell an den Fördermaßnahmen teil. Sie reichen von Blühflächen an Gewässerschutzstreifen über vielfältige Fruchtfolgen bis hin zu bodenschonenden Saatverfahren.

„Insektensterben, Pflanzenschutzmitteleinsatz – das sind alles große Herausforderungen. Aber eine der größten Herausforderungen für unseren Berufsstand ist, dass wir mit unserer Landwirtschaft im europäischen Wettbewerb bestehen können. Deshalb sind Programme wie das KULAP top, weil sie Umweltleistungen auf landwirtschaftlichen Flächen honorieren und Einkommenseinbußen damit ausgleichen", so Mayerhofer. Im Gewässerschutzstreifen zwischen Mayerhofers Sojafeld und dem angrenzenden Bachlauf brüten schon ein paar Fasane, einige Rebhühner hat er dort auch schon gesichtet. In diesem Blühstreifen, für den Mayerhofer die KULAP-Förderung erhält, wird kein Pflanzenschutzmittel ausgebracht und nicht gedüngt.

Neben den Gewässer- und Erosionsschutzstreifen hat Georg Mayerhofer Blühflächen angelegt. Außerdem hat er sich im Rahmen des KULAP verpflichtet, einen Teil seiner Ackerfläche mit mindestens fünf verschiedenen Ackerkulturen zu bepflanzen – ein Beitrag für Vielfalt und Artenschutz. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man künftig vielleicht sogar eine Art Verbundsystem schafft, quasi ein ganzes Netz von Streifen und Brücken, an denen man die KULAP-Maßnahmen macht", so Georg Mayerhofer. Die digitale Flurkarte gibt es ja bereits. Sie könne ein solches Verfahren nach Ansicht von Mayerhofer möglich machen.

Auf Blühwiesen in der Flur finden Bienen Nahrung. Georg Mayerhofer ist Imker und verkauft auf seinem Hof den selbst hergestellten Honig. Für seine Blühwiese erhält Georg Mayerhofer eine Förderung aus dem KULAP.

Er ist Mitglied einer Arbeitsgruppe der Bayerischen Staatsregierung und sucht dort nach Möglichkeiten, die bayerische Landwirtschaft zukunftsfit zu machen: „Digitalisierung ist für mich einer der Schlüssel für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Neue Technologien machen eine punktgenaue Düngung möglich, was wiederum die Natur schont. Auch die Feldrobotik bringt Vorteile: Ein Feldroboter ist ein Mitarbeiter, der Tag und Nacht arbeitet und Landwirte von bestimmten Aufgaben entlasten kann. Bayern will, dass die Digitalisierung bei allen Bauern ankommt und nicht nur bei denen, die es sich leisten können. Dieser Ansatz ist der richtige", so Mayerhofer.

Beim Blick über seine Felder und die beeindruckende Landschaft kommt er ins Schwärmen: „Ich liebe unsere Landschaft und wenn ich so hinabschaue ins Tal, könnte ich mir keinen anderen Ort vorstellen, an dem ich lieber wäre." Die Liebe zur Natur und Landwirtschaft gibt er an seine Söhne weiter. Mit ihnen würde er den Betrieb gerne in die nächste Generation führen: „Wir leisten täglich unseren Beitrag für gesunde Lebensmittel und für die Natur. Auch wenn es nicht immer einfach ist, möchte ich unbedingt in der Landwirtschaft bleiben. Wir müssen uns überlegen, wo wir in den nächsten Jahren hinwollen. Kompromisse und gegenseitiges Verständnis sind für mich der Weg, unsere vielfältige und einzigartige Landwirtschaft in Bayern zu erhalten."

 

Fotos: CSU-Fraktion