"Europa ist unsere Zukunft"

Marlene Mortler und Norbert Dünkel im Interview

 

Europa steht am Scheideweg. Krisen von innen wie von außen belasten die europäische Gemeinschaft. Die Europawahl am 26. Mai ist daher eine Schlüsselwahl. Es geht um eine starke und handlungsfähige Zukunft Europas und letztlich um die Sicherung unserer Werte und unseres Wohlstandes. Im Interview erklären die beiden Mandatsträger aus dem Nürnberger Land, Bundestagsabgeordnete und CSU-Kandidatin für das neue EU-Parlament Marlene Mortler und CSU-Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel, was sie mit Europa verbinden und welche Erwartungen sie an die zukünftige EU-Politik haben. 
 

Was verbinden Sie persönlich mit Europa?

Mortler: Europa ist für mich wie eine große Familie: Auch wenn wir uns ab und zu streiten, brauchen wir einander, um erfolgreich zu sein. Die Europäische Gemeinschaft steht dabei für beides – Einheit und Vielfalt. Sie lebt von ihren Kulturregionen wie Bayern, deren einzigartigen Charakter wir erhalten müssen.

Dünkel: Denke ich an Europa, denke ich vor allem an unsere Zukunft. In einer Welt in der bestehende Ordnungen zunehmend in Frage gestellt werden oder Konflikte durch reine Machtpolitik entschieden werden, müssen die Länder Europas zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen. Die Aussage von Franz Josef Strauß ist daher für mich aktueller denn je: „Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland und Europa unsere Zukunft!“
 

Was sind Ihrer Meinung nach die großen Errungenschaften der Europäischen Union?

Mortler: Frieden, Freiheit und Wohlstand. Seit über 70 Jahren leben wir nun schon ohne Kriege oder bewaffnete Konflikte in der Europäischen Union zusammen. Angesichts der vielen Krisenherde auf dieser Erde ist das ein unschätzbares Gut. Dank der offenen Grenzen innerhalb der EU können wir nicht nur dorthin reisen oder uns dort niederlassen, wo wir wollen, sondern auch freien Handel treiben. Zusammen mit unserer gemeinsamen, stabilen Währung, dem Euro, haben wir ein starkes Fundament für unseren Wohlstand geschaffen. Davon profitieren alle: Europa, Deutschland und auch Bayern. Jetzt gilt es, dieses Fundament zu sichern und in die Zukunft zu tragen.

Dünkel: Ich kann mich dem nur anschließen. Dass einmal die europäischen Nationen geeint, friedlich miteinander leben werden, hätte vor 100 Jahren wohl noch niemand wirklich geglaubt.  Umso wichtiger ist es, dass wir uns diese großartige Leistung immer wieder bewusst machen. Leider wird das in der täglichen Debatte häufig vergessen und nationale Egoismen gefährden zunehmend das friedliche Zusammensein. Wir müssen daher entschlossen alles daran setzen, diese Verstimmungen zu überwinden, um Wohlstand, Frieden und Sicherheit zu erhalten.
    

Welche Erwartungen haben Sie vom neuen EU-Parlament bzw. von der EU-Politik in den nächsten Jahren?

Dünkel: Um Europa zukunftsfest zu machen, brauchen wir ein bürgernahes Europa, das den Menschen zuhört und in ihrem Sinne handelt. Hierzu gehört Bürokratieabbau genauso wie der Fokus auf wirkliche europäische Themen. Nicht alles muss zentral von Brüssel aus gesteuert werden, manches dagegen ist notwendig.  Mir ist wichtig,  dass die Eigenständigkeit der Regionen wo immer möglich erhalten wird und nur wo nötig, europäische Regelungen an Stelle von nationalen Regelungen gesetzt werden. Als Innenpolitiker ist es mir zum Beispiel ein besonderes Anliegen, dass die europäischen Sicherheitsbehörden enger zusammenarbeiten und Verbrecherdaten untereinander schneller austauschen. Hierfür wäre eine europäische Regelung nötig und sinnvoll.

Mortler: Die Europa-Wahl im Mai wird eine Richtungswahl. Dann entscheidet sich nämlich, ob es im Parlament noch eine Mehrheit von Abgeordneten geben wird, die für ein vereintes Europa stehen. Vor dem Hintergrund des wachsenden Nationalismus und Populismus müssen wir dafür kämpfen, dass unsere europäische Großfamilie nicht auseinanderbricht. Ich persönlich erwarte von der EU-Politik, dass sie sich wieder den Bürgerinnen und Bürgern annähert. Dass sie Brücken baut zwischen den Menschen und der Institution EU. Dass wir die Grundlagen der Europäischen Union wie die Gemeinsame Agrarpolitik pflegen und nicht einfach nur Kompetenzen in die Mitgliedsstaaten zurückübertragen. Wir alle brauchen die EU. Gerade jetzt in diesen – global gesehen – unsicheren Zeiten gibt sie uns Sicherheit.