Herzenssache

Das Europa Engagement und die Interkulturelle Kinder- und Jugendarbeit im Kreisjugendring München-Land

Europa steht für das Miteinander der Nationen. Offenheit und das gegenseitige verstehen wollen sind der Schlüssel für eine funktionierende europäische Union. Dabei steht jeder Einzelne in unserer Gesellschaft in der Verantwortung: Integration kann nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten in gleichen Teilen zur Verständigung beitragen. In diesem Artikel im Regionalteil der Herzkammer möchte ich eine Institution vorstellen, die seit vielen Jahren im Bereich der interkulturellen Kinder- und Jugendarbeit herausragende Arbeit leistet: Den Kreisjugendring München-Land.

Gemäß § 3 Buchstabe e) der Satzung, als Gliederung des bayerischen Jugendrings, ist es Aufgabe des Kreisjugendrings München-Land, „die internationale Begegnung und Zusammenarbeit zu pflegen und zu fördern.“ Satzungsgemäß ist es die Aufgabe des KJR, interkulturelle Arbeit zu betreiben – aber was ist das eigentlich?

Grundsätzlich verbindet der Begriff Interkulturell zwei Worte. Zum einen Inter, lateinisch für zwischen, und zum anderen Kultur, abgeleitet vom lateinischen cultura (Bearbeitung, Pflege, Ackerbau), was im weiteren Sinne alles bezeichnet, was der Mensch hervorgebracht hat im Gegensatz zur Natur. Der KJR versteht unter der Interkulturellen Arbeit kulturelle Übersetzungsarbeit und, unter dem Gesichtspunkt von Machtverhältnissen (z.B. Mehrheit-Minderheit), Antidiskriminierungsarbeit. Ziel der Interkulturellen Arbeit ist es, dass sich Personenkreise mit eigenen Vorurteilen bezüglich unterschiedlicher Gruppen auseinandersetzen und diese in einem lebenslangen Prozess des interkulturellen Lernens abbauen und diese durch kulturelle Offenheit und kulturelles Verständnis überlagert werden. Dabei ist es dem Kreisjugendring wichtig, dass alle Beteiligten, egal ob Aufnahmegesellschaft oder Menschen mit Migrationshintergrund, in gleicher Weise Verantwortung für das Gelingen des Prozesses übernehmen. An diesen theoretischen Grundlinien orientieren sich die europäischen und interkulturellen Angebote des KJR München-Land.

 

 

In der Praxis wird seit vielen Jahrzehnten vor allem in Jugendzentren, in den Jugendbildungsstätten oder in Schulen interkulturelle Arbeit geleistet. Die dortigen Angebote erstrecken sich von internationalen Begegnungsveranstaltungen, fern von klassischen Schüleraustauschprogrammen (z.B. mit Israel, Polen oder Kirgistan), über Fördermaßnahmen zur Sprachförderung und dem Aufbau von ehrenamtlichen Netzwerken vor Ort bis hin zu klassischen Spielangeboten für die Kinder und Jugendlichen sowie Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen. Hierbei steht immer die Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessen(gruppen) und sozialen oder kulturellen Konflikten im Mittelpunkt.

2016, in Folge einer Restrukturierung, bekam der Schwerpunkt Interkulturelle Arbeit, unter dem Dach des Diversity-Referats, eine eigene Fachstelle. Seitdem werden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des KJR München-Land, vermittelt von der Fachstelle, durch interne und externe Beratungen, Fortbildungen und Workshops im Bereich der interkulturellen Arbeit weitergebildet und sensibilisiert. Auch die Koordination des Projekts „Flüchtlinge werden Freunde“ des Bayerischen Jugendrings wurde von 2016 bis 2018 vom KJR München-Land für Oberbayern koordiniert. Ziel des Programms ist es, junge Geflüchtete in die Gesellschaft einzubinden. Seit 2016 konnten, die davor schon sehr guten Strukturen und Voraussetzung in der interkulturellen Arbeit des KJR München-Land weiter optimiert werden.

 

 

Teil der interkulturellen Arbeit ist auch das Engagement des Kreisjugendrings München-Land zur europäischen Zusammenarbeit. Exemplarisch organisierte der KJR München-Land im Januar 2019, auf der Burg Schwaneck in Pullach im Isartal, ein Workshop-Wochenende zum Thema „Europa gemeinsam gestalten“. Die Teilnehmenden, junge Menschen aus dem Landkreis München und aus den Landkreisen der Partnerjugendringe Esslingen und Leipzig-Land diskutierten, mit dem Hintergrund der bevorstehenden Europawahl am 26.05.2019, über unterschiedlichste jugendpolitisch relevante Themen. Um den Austausch zwischen jungen Menschen in Europa weiter zu fördern sind zukünftig weiter Workshops sowie Austauschfahrten nach Brüssel geplant.

Frei nach dem Spruch von Karl Valentin „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ unternimmt der Kreisjugendring seit vielen Jahren große Anstrengungen um das Ziel, Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund in alle gesellschaftlichen Kernbereiche einzubeziehen, zu erreichen. Als Stimmkreisabgeordnete bin ich sehr stolz auf unseren Kreisjugendring. Es ist sehr erfreulich, zu wissen, dass es Menschen gibt, die ihre Berufung darin sehen, gesellschaftliche Spaltung zu verhindern und das Miteinander zu befördern. In unserer Gesellschaft kann es solche Personen nie genug geben.