Brexit

Die Folgen für Irland

In meiner Heimatgemeinde Kürnach besteht eine enge Freundschaft mit der südirischen Grafschaft (County) Cavan. Alle zwei Jahre reisen interessierte Kürnacherinnen und Kürnacher dorthin, um Land und Leute besser kennenzulernen. Etwa 15 bis 40 Iren kommen im Gegenzug jedes Jahr zu Kiliani nach Kürnach und nehmen am Kiliani-Festzug in Würzburg teil. Spätestens nächstes Jahr soll aus dem im Juli 2016 begründeten Freundschaftsvertrag (Friendship Pact) eine Städtepartnerschaft werden.

Die Grafschaft Cavan mit ihren 76.000 Einwohnern und 400 Seen ist nur 19 Kilometer von der Grenze zu Nordirland und der Grafschaft Femanagh entfernt. Aufgrund dieser geographischen Lage würden die Menschen dort den Brexit als besonders hart erleben.

Stadtrat Shane P. O'Reilly, einer der Gründungsmitglieder des Freundschaftsvertrags zwischen Kürnach und Cavan, zeigt sich über den Brexit sehr besorgt: "Wenn tatsächlich an der Grenze zum County Femanagh und an allen anderen Grenzübergängen wieder eine harte Grenze eingeführt werden sollte, so wird das unseren Handel mit dem UK-Markt für landwirtschaftliche Güter dezimieren. Auch der Bildungsbereich wird dadurch stark betroffen sein, da es viele Studenten gibt, die in Südirland Colleges besuchen, dann jedoch keinen Anspruch mehr auf europäische Fördergelder für ihre Studiengebühren haben. Der Tourismus im County Cavan wird aufgrund von zusätzlichen Steuern und dem Erfordernis von Visa für die Einreise etc. ebenfalls stark betroffen sein. Alles in allem ist der Brexit eine schreckliche Nachricht für unsere Region und es wird einige Jahre dauern, bis wir uns davon erholen."

Nur 40 Kilometer von der Hauptstadt Cavan in der gleichnamigen Grafschaft entfernt liegt O'Reillys Wohnort Mullagh, mit der uns Franken viel verbindet: Hier wurde um 640 n.C. unser Schutzheiliger Kilian geboren, der den katholischen Glauben zu uns brachte. Das „St Killians Heritage Centre“ in Mullagh hat die Gemeinde übrigens mit finanzieller Unterstützung der Diözese Würzburg gebaut. Es hat eine ähnliche Funktion wie das Partnerschaftskomitee der Gemeinde Kürnach.

Neben dem katholischen Glauben und der frühen Besiedelung durch die Kelten haben wir Franken noch weitere Gemeinsamkeiten mit den Iren: Wir feiern gerne und lieben deftiges Essen. Bevorzugte Beilage ist bei den Iren allerdings der Kartoffelbrei. Krapfen kennen sie übrigens auch, doch essen sie diese bevorzugt im August. Und mit dem fränkischen Wein lassen sie sich nur schwer begeistern – die Iren sind halt Biertrinker.

Gruppenbild vom 04. Juni 2015 (von links nach rechts): Christina Röding (Kürnacher Gemeinderätin, JU/CSU), Sieglinde Bayerl (2. Bürgermeisterin von Kürnach), Shane P. O'Reilly, Manfred Ländner und die Irin Colette Herrmann (1. Vorsitzende Partnerschaftskomitee Kürnach). Foto: Matthias Demel


Weitere Bilder zum Freundschaftsvertrag zwischen Kürnach und Cavan finden Sie in unserer Bildergalerie.