Besuch beim Heimatministerium

Wie funktioniert Heimatpolitik in Bayern?

Im Jahr 1977 wurde die Partnerschaft zwischen den beiden Dekanaten Hersbruck und Wantoat gegründet. Seitdem haben sich immer wieder Delegationen gegenseitig besucht. Nachdem in den letzten zehn Jahren nur Reisen nach Papua-Neuguinea möglich waren,  konnten in diesem Sommer nun endlich wieder Gäste aus dem Partnerdekanat in Hersbruck begrüßt werden. Für den dreiwöchigen Aufenthalt hatte sich das Dekanat Herbsruck ein vielfältiges Besuchsprogramm überlegt. Unteranderem wurde auch das Heimatministerium in Nürnberg besichtigt, um mehr über die politischen Strukturen in Bayern zu erfahren – mit dabei war der Landtagsabgeordnete Norbert Dünkel (CSU), der den Termin ermöglicht hatte.

Dass sich die Gäste besonders für die bayerische Politik und die Förderung der ländlichen Regionen interessierten, ist nicht verwunderlich. Wantoat selber ist eine stark ländlich geprägte Region im Hochland von Papua-Neuguinea. Der Inselstaat liegt nordöstlich von Australien und ist mit einer Fläche von 462.840 km2 mehr als sechsmal so groß wie Bayern – das gesamte Land hat jedoch nur rund 8,2 Millionen Einwohner, Bayern hingegen zählt mehr als 13,1 Millionen Menschen. Die Menschen in Wantoat sind größten Teils Selbstversorger, Ausbildungsberufe gibt es keine in der Region und auch der infrastrukturelle Ausbau und die medizinische Versorgung lassen zu wünschen übrig. Im Zentrum des Lebens steht die kirchliche Gemeinschaft, weswegen auch die Partnerschaft mit Hersbruck einen hohen Stellenwert genießt.

In Papua Neuguinea wird die Entwicklung der ländlichen Regionen durch die schlechten Straßenverhältnisse sehr erschwert. Foto: Dekanatsjugend Hersbruck

In einem kurzweiligen Vortrag präsentierte Dr. Helmut Fröhlich, Referatsleiter „Regionale Identität“, nun den Gästen aus Papua-Neuguinea die vielfältigen Aufgaben des Heimatministeriums. Dieses hat es sich in erster Linie zum Ziel gesetzt, gleichwertige Lebens- und Arbeitsverhältnisse in allen bayerischen Landesteilen zu schaffen und dadurch eine lebenswerte Heimat für die Menschen im Freistaat zu erhalten. So sollen zum Beispiel die Schwächen einer Region kompensiert und die vorhandenen Stärken gesichert und weiterverbessert werden. Hierfür stellt der Freistaat Fördermittel zur Verfügung und unterstützt damit Projekte der Landkreise und Regionen. Für die Gäste aus Papua-Neuguinea wurde dies am Beispiel des Landkreises Nürnberger Land verdeutlicht. Von 2015 bis 2018 beispielsweise hatte der Freistaat diesen bei der Vermarktung von regionalen Streuobstprodukten unterstützt. Das Landratsamt hat hierbei das Ziel verfolgt, die für die Landschaften im Nürnberger Land prägenden Streuobstwiesen zu schützen. Durch das Bezahlen fairer Preise für Bio-Mostobst und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit zur Bedeutung von Streuobst ist es gelungen, die Erhaltung und nachhaltige Bewirtschaftung der Streuobstwiesen wieder attraktiv zu machen und damit ein wichtiges, regionales Kulturgut zu erhalten.

Attraktivität der ländlichen Regionen erhalten

Während des Vortrags stellten die Gäste schnell fest, dass es auch in Bayern ähnliche Herausforderungen wie in Papua Neuguinea gibt. Gerade die Tatsache, dass immer mehr junge Menschen lieber in die Stadt ziehen als auf dem Land zu bleiben, ist hier wie dort ein großes Problem. Das Heimatministerium versucht auf diese Entwicklung zu reagieren, indem es gezielt Programme der Landkreise unterstützt, mit deren Hilfe Arbeitskräfte angeworben werden sollen. In Papua-Neuguinea gibt es solche staatlichen Maßnahmen nicht und daher ziehen immer mehr junge Leute in die großen Städte. Da es dort jedoch an Jobs und Ausbildungsmöglichkeiten mangelt, die Versorgung mit Lebensmitteln teuer ist und das Netzwerk der Familie wegfällt, rutschen viele der Jugendlichen in die Kriminalität ab.

Viel gelernt

Am Ende des Besuchs zogen die Gäste des Dekanats Hersbrucks ein durchweg positives Fazit. Sie konnten viele Informationen mitnehmen und wissen nun einiges mehr über die bayerische Politik, vor allem die Heimatpolitik. Annika Häberlein, eine der Organisatorinnen des Austausches, bedankte sich daher noch einmal ausdrücklich bei Dr. Fröhlich für dessen interessanten Vortrag und bei Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel, der diesen Termin ermöglicht und den Besuch in Nürnberg begleitet hatte.