Innovation made in Oberpfalz

Einfach mal machen

Das Maschinenbau-Unternehmen BAM stand kurz vor der Pleite, als der Informatiker Marco Bauer 2010 die Geschäftsführung übernahm. „Ich hatte quasi keine Ahnung von Maschinenbau und bin voll ins kalte Wasser gesprungen“, sagt Bauer. Mit innovativen Ideen und dem Mut „einfach mal zu machen“, gelang es ihm, die Firma wieder auf Kurs zu bringen. Für ihre Innovationsstrategie wurde die Firma BAM Maschinenbau 2016 im Wettbewerb Top100 als eines der innovativsten Mittelständler Deutschlands ausgezeichnet. Im Interview verrät Marco Bauer, warum deutsche Unternehmen sich ein Vorbild an den USA nehmen sollten und wieso zu viel Hierarchie eine Innovationsbremse ist.

HERZKAMMER
Sie wurden 2016 als eines der innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet. Was macht Sie so innovativ?

MARCO BAUER
Ich denke, dazu gehören zwei Aspekte: Zum einen haben wir den weltweit ersten Onlineshop für Metallbau-Teile gestartet, in dem man selbst individuelle Bauteile konstruieren kann und der dann auch gleich den Preis berechnet. Die Produktion und Verpackung läuft vollautomatisch, unsere Mitarbeiter müssen die Aufträge quasi nur noch bestätigen und das Blech in die Maschine legen. So können wir den Bestellprozess und die Auftragsbearbeitung enorm beschleunigen. Außerdem ist es uns gelungen, innerhalb von sieben Jahren Personal und Umsatz unseres Unternehmens zu verdreifachen – was wohl vor allem an unserem Mut zur Veränderung liegt. Generell haben wir eine hohe Innovationskultur im Unternehmen. Ich motiviere meine Mitarbeiter immer wieder, eigene Ideen zu entwickeln und auch vorzubringen und diese Ideen werden dann auch wirklich weiterverfolgt.

HERZKAMMER
Ist das Ihr Geheimrezept für Innovation – weniger Hierarchie und mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter?

MARCO BAUER
Es ist unglaublich wichtig, dass man die Mitarbeiter zu Wort kommen lässt und allen eine Chance gibt, ihre Ideen einzubringen und umzusetzen. Man muss auch nicht immer Ingenieur sein, um im Maschinenbau arbeiten zu können. Wir haben bei uns im Unternehmen sehr viele Mitarbeiter, die gar keine technische Ausbildung haben, sondern aus einem anderen Bereich kommen. Dadurch entstehen oft Ideen, auf die man gar nicht kommen würde, wenn man nur mit einer Maschinenbau-Brille drauf schaut. Ich komme selbst auch nicht aus der Maschinenbau- Branche, sondern bin eigentlich Informatiker. Von Fräsen und Co hatte ich keine Ahnung und bin quasi voll ins kalte Wasser gesprungen. Ich musste mich komplett neu einarbeiten und gehe Dinge deshalb auch heute noch oft ganz anders an, als jemand, der eine technische Ausbildung hat. In Deutschland denken die meisten leider immer noch: Wenn man eine Ausbildung oder ein Studium in einem bestimmten Bereich gemacht hat, muss man auch sein Leben lang in diesem Bereich tätig sein. In den USA, vor allem im Silicon Valley, ist man viel offener. Da ist es ganz normal, als Arbeitgeber auch mal jemanden einzustellen, der aus einem ganz anderen Fachbereich kommt. Arbeitnehmer trauen sich dort auch häufiger, sich in einem Bereich zu bewerben, von dem sie eigentlich keine Ahnung haben.

Marco Bauer, Geschäftsführer BAM Maschinenbau GmbH

HERZKAMMER
Sollten wir Deutschen uns also das Silicon Valley zum Vorbild nehmen?

MARCO BAUER
Ein Stück weit schon, ja! Ich glaube, man sollte Mut zum Scheitern haben – und den haben die Deutschen oft nicht. Wenn ich mich immer nur mit Dingen beschäftige, die ich wirklich gut kann, ist das Risiko zu scheitern relativ gering. Wenn ich Dinge anpacke, mit denen ich mich noch nicht gut auskenne, ist das Risiko zu scheitern natürlich deutlich größer. Dabei gilt: Je größer das Risiko zu scheitern, desto größer ist auch die Chance, etwas Neues und Innovatives auf die Beine zu stellen. Was dieses Denken angeht, können wir vom Silicon Valley viel lernen!

HERZKAMMER
Was würden Sie anderen Unternehmen raten: Was muss man tun, um innovativ und konkurrenzfähig zu bleiben?

MARCO BAUER
Alles verändert und entwickelt sich heutzutage immer schneller. Mit dieser Geschwindigkeit muss man als Unternehmen mithalten können. Das geht nur, wenn ich immer etwas schneller als die Konkurrenz bin, wenn ich mein Geschäftsmodell immer wieder in Frage stelle und immer wieder überprüfe, ob das, was ich tue, noch sinnvoll ist. Dafür muss ich über den Tellerrand schauen und auch mal Ideen verfolgen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht so erfolgversprechend erscheinen. Kurz: Einfach mal machen und Mut zum Scheitern haben!

Mehr Informationen zum Unternehmen unter www.bam-maschinenbau.de

Bild: BAM Maschinenbau GmbH
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