Albert Füracker im Interview
Interview mit Finanz- und Heimatminister Albert Füracker
„Heimat bedeutet, Verantwortung übernehmen zu dürfen.“
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Seit über zehn Jahren gibt es das bayerische Heimatministerium. Staatsminister Albert Füracker zieht im HERZKAMMER-Interview Bilanz, blickt nach vorne und erklärt, warum es gerade heutzutage wichtig ist, Dialekt zu sprechen. 
 

Herr Füracker, was ist für Sie persönlich Heimat? 

Heimat ist für mich nicht einfach nur eine Adresse, eine Ortschaft oder das Land Bayern. Heimat ist vielmehr dort, wo ich mich verwurzelt fühle – wo Familie, Freunde und Gemeinschaft zusammenkommen. In meinem Fall ist das der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Heimat ist ein wundervolles Lebensgefühl, das auch durch gelebte Traditionen, unsere einzigartige Kultur und Landschaft aber beispielsweise auch durch das ausgeprägte Vereinswesen entsteht und wächst. Auch der Zusammenhalt und das Engagement der Mitbürgerinnen und Mitbürger vermittelt Heimatgefühl! Heimat bedeutet deshalb in gewisser Weise auch, Verantwortung übernehmen zu dürfen. 

Bayern, seine Einwohner, die Dialekte und Traditionen sind teils grundverschieden. Ist das Heimatministerium vor allem ein Haus für Völkerverständigung? Und: Was eint die Bayern?

Jede Region hat seine eigenen besonderen Charakterzüge, eigene Stärken, Traditionen und Dialekte. Genau diese bunte Vielfalt und die Menschen selbst machen das Land Bayern so einzigartig und lebenswert. Und trotz der Unterschiede eint uns das Heimatgefühl, unser Engagement – beispielsweise im Ehrenamt – und der Stolz auf unsere besondere Kultur und unsere Landschaft. Aber selbstverständlich auch unser Erfolg trägt dazu bei: Wir sind der wirtschaftliche Motor Deutschlands. Und Menschen aus aller Welt kommen sehr gerne zu uns – sei es, um Urlaub zu machen, oder um hier zu leben und erfolgreich zu sein. Das macht uns natürlich stolz und schweißt uns zusammen!

Im Heimatministerium verfolgen wir eine ausgewogene Entwicklung von Stadt und Land, im Einklang mit Tradition und Moderne. 

Wie sieht das konkret aus? 

Wir setzen auf unterschiedliche strukturpolitische Maßnahmen, beispielsweise den geförderten Glasfaserausbau und die Behördenverlagerung. Zudem bieten wir Heimat-Förderprogramme an, um Projekte zur räumlichen Entwicklung zu unterstützen. Unsere Traditionen und unsere Dialekte – beides Aushängeschilder bayerischer Kultur und des bayerischen Lebensgefühls – wollen wir selbstverständlich bewahren, fördern und weiter beleben. Zum Beispiel durch verschiedene Preise wie den ‚Heimatpreis‘ oder den ‚Dialektpreis Bayern‘, die wir vergangenes Jahr 15 beziehungsweise zwölf Mal vergeben haben. 

Albert Füracker
Finanz- und Heimatminister im Interview mit der CSU-Fraktion
@CSU-Fraktion

Wie sieht Ihre Bilanz nach über zehn Jahren Heimatministerium aus, oder frei nach Gerhard Polt: „Warum brauchts das auch weiterhin?“

Wir verfolgen das Ziel, gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen – bayernweit! In zehn Jahren Heimatministerium konnten wir vieles bewegen und verbessern. Beispielsweise beim Ausbau des schnellen Internets – nach EU-Definition sind das mindestens 30 Mbit/s. Der Freistaat Bayern investiert seit 2014 freiwillig über 2,7 Milliarden Euro in den geförderten Breitbandausbau – trotz der Zuständigkeit des Bundes. Dank dieser Mittel werden bereits über 108.000 Kilometer Glasfaser verlegt. 83 Prozent der Haushalte in Bayern werden nach Abschluss der aktuellen Bauarbeiten sogar gigabitfähig sein! Ohne das bayerische Förderprogramm wäre ein solches Ergebnis undenkbar! Doch der geförderte Breitbandausbau ist nur eines von vielen Beispielen. So unterstützen wir die Kommunen auch bei der Bewältigung des demografischen Wandels: Mit dem ‚Pilotprogramm demografiefeste Kommune‘ haben wir seit 2021 mit insgesamt 1,55 Millionen Euro 13 Kommunen unterstützt. Diese erarbeiten übertragbare Maßnahmen und sammeln für ganz Bayern wichtige Erkenntnisse. Wir haben in den letzten zehn Jahren bereits einiges bewegt, und auch noch eine Menge vor! 

Ein großes Thema der vergangenen Jahre war die Behördenverlagerung. Wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Mit unserer Heimatstrategie haben wir 2015 die Behördenverlagerung in Bayern aufs Gleis gesetzt – es ist ein echtes Erfolgsmodell, das hervorragend angenommen wird! 79 Behörden und mehr als 5.100 Beschäftigte sowie Plätze für 1.170 Studierende werden beziehungsweise wurden bereits in den ländlichen Raum verlagert – zum Beispiel das Landesamt für Finanzen mit der Dienststelle Weiden i.d. Oberpfalz. Dort sind über 200 der geplanten 300 Arbeitsplätze belegt. Wir schaffen mit der Verlagerung der Behörden in die Fläche attraktive Arbeitsplätze und Weiterentwicklungsmöglichkeiten in ganz Bayern. Unsere Beschäftigten müssen also nicht in die größeren Städte bzw. Ballungszentren ziehen oder pendeln, um einem attraktiven und sicheren Job nachgehen zu können – sie können in ihrer Heimat bleiben! Was will man mehr? Zudem erhöhen wir dadurch die Kaufkraft und Investitionen vor Ort. 

Wo solls in Zukunft hingehen? Welche Themen werden die kommenden Jahre im Fokus stehen? 

Wir knüpfen weiter an unsere bewährten Formate beziehungsweise Strategien an, um gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern zu erreichen, aber beispielsweise auch, um die Auswirkungen des demografischen Wandels einzudämmen sowie unsere Traditionen und Kultur zu bewahren und zu fördern. Wir schreiben unsere Heimatstrategie deshalb aktuell fort, um noch näher an den aktuellen Entwicklungen und an unseren Bürgerinnen und Bürgern zu handeln. Wir haben deshalb in 2025 über unterschiedliche Beteiligungsformate die Bürgerinnen und Bürger befragt, wie sie sich fühlen, was sie sich wünschen und was sie beschäftigt. Über 11.000 Menschen haben teilgenommen und insgesamt über 140 verschiedene konkrete Ideen und Anliegen konnten aus ihren Beiträgen abgeleitet werden – ein Wahnsinnsergebnis, für das ich mich herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanken möchte! Diese wertvollen Punkte werden wir in unsere Heimatstrategie einknüpfen, die wir in fortgeschriebener Form 2026 vorstellen werden. 

Und zum Abschluss: Sollte wieder mehr Dialekt gesprochen werden? Was ist Ihr Lieblings(sprich)wort auf oberpfälzisch? 

Ich kann Sie alle nur dazu ermutigen, Dialekt zu sprechen und zu Ihrer Herkunft zu stehen! Und es ist nie schlecht, wenn man sich zu den anderen etwas unterscheidet und sich trotzdem gut versteht. Zudem hält es geistig fit! In diesem Sinne: ‚Bleib gsund, wia a Hund, leb lang, wia a Schlang‘!
 

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