Wasserbüffel
Mehr Mut für Bayerns Natur
Heimat, Landwirtschaft und Umweltschutz neu denken
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Wie können Wasserbüffel, Esel und Pferde dafür sorgen, dass die Population von Zauneidechsen massiv ansteigt? Sehr einfach: Indem sie das ganze Jahr über draußen auf der Weide ihr Leben genießen. Naturfilmer Jan Haft und seine Frau Melanie zeigen auf ihrem Hof im Isental, was in Sachen Arten- und Umweltschutz möglich ist, wenn Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam gedacht werden. Ihr Antrieb: Die Liebe zu ihrer Heimat. 

„Unser Zuhause ist ein Biodiversitätsspielplatz“, erklärt Jan Haft. „Wir lesen in Büchern die Theorie, sehen auf unseren Reisen praktische Beispiele, zeigen sie in unseren Filmen und können rund ums Haus ausprobieren, wie sich die Theorie auf die Natur auswirkt. Konkret: Die großen Tiere sind auf der Weide und dazwischen leben Zauneidechsen, Frösche, die Ringelnatter, Eisvögel, Blaukehlchen oder der Pirol.“ Und in den Stängeln, die den Pferden nicht schmecken, entwickeln sich im Frühjahr Insektenlarven – über die sich dann am Ende wieder die Singvögel freuen. „Win-win für alle“, freut sich Jan Haft. 

Naturschutzgebiete, Nationalparks oder weitere spezielle Maßnahmen im Umweltschutz seien selbstverständlich wichtig. Melanie und Jan Haft wollen aber zeigen, dass es auch innerhalb der konventionellen Landwirtschaft geht, die heimatliche Natur zu schützen. „Umweltschutz, Landwirtschaft und auch unser wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus, wenn wir nur ein bisschen neu denken“, so das Plädoyer der Hafts. „Das muss gar nicht gleich Bio sein!“ Bis zur Industrialisierung sei es in Bayern üblich gewesen, die Tiere auf großen, naturnahen Weideflächen zu halten. Dann wurden sie in die Ställe geholt und ihr Dung in aufbereiteter Form auf Acker- und Grünland verteilt. „Damit können Mistkäfer und Co. aber nichts anfangen“, so der Naturfilmer. Dunginsekten sind eine tragende Säule im Nahrungsnetz der Natur.
 

Melanie und Jan Haft
Jan und Melanie Haft
@GREEN SCREEN PR-Lina Kastl

Crossover zwischen Landwirtschaft und Naturschutz

„Natürlich wollen wir das Rad nicht zurückdrehen“, macht Jan Haft klar. „Wir brauchen ja die Landwirtschaft für die Menschen in Bayern. Wenn wir es aber nur auf ein paar Prozent unserer Landesfläche schaffen, auf extensive Tierhaltung* umzustellen, ist schon viel geschafft.“ Dafür könnten beispielsweise auch Flächen neben der Autobahn samt hochgeständerten Solarpaneelen genutzt werden oder auch schwierige Böden wie etwa entlang der Donau, die als Überschwemmungsgebiet gelten. 

„Gerade für Nebenerwerbslandwirte wäre das die ideale Lösung, wenn eben kein Geld und keine Zeit für einen neuen, modernen Stall da ist“, ergänzt Melanie Haft. „Die Tiere sind draußen, machen kaum Arbeit und sorgen ganz nebenbei dafür, dass viel Kohlenstoff im Boden gebunden wird. Wir hätten dann ein richtiges Crossover zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, kein Gegeneinander.“ 

Die Erzählung, dass die Landwirtschaft der Natur die Flächen wegnimmt, stimme deshalb so nicht. „Auf den Almen in den Alpen sind wir es gewohnt, dass die Tiere draußen sind und für strukturreiche, biodiverse Naturlandschaften sorgen– warum dann nicht auch wieder auf den Flächen im Flachland?“ 

Reisen bringen Ideen für Bayern

Ob in Norwegen, Osteuropa oder Afrika: Auf ihren Drehreisen sehen Jan Haft und sein Team, wie genau dieses Zusammenspiel gut funktionieren kann. „In Norwegen zu leben war immer ein Traum“, lacht Melanie Haft. „Allerdings wollte ich schon als Kind aus dem Schwarzwald unbedingt einmal in Bayern wohnen. Außerdem ist Heimat ja nicht nur die Landschaft oder die Natur, sondern es sind auch die Menschen, mit denen man zusammenlebt. Und wir haben die Möglichkeit, hier etwas zu verbessern. Heimatgefühl bringt eben auch einen ganz anderen Antrieb, sich hier einzubringen.“ 

„Unser Ansatz ist nicht: hier ist alles kompliziert, wir ziehen nach Norwegen, sondern wenn etwas dort funktioniert, warum nicht auch hier?“, ergänzt Jan Haft. 

Ganz ähnlich wie einen Nationalpark könnte er sich eine Art Forschungsprojekt vorstellen: Eine größere Fläche mit großen Tieren zu beweiden und „einfach mal zu schauen, was dann passiert“. Jan Haft ist sich sicher: „Wir hätten nicht nur tolle Effekte für unsere Natur, sondern sofort eine Touristenattraktion sondergleichen.“ In England gibt es ein solches Projekt bereits. 

Mehr Mut, etwas zu entscheiden

Politik aber auch die Menschen in Bayern müssten sich einen Ruck geben und Dinge auch mal ausprobieren. Weniger Bedenken, weniger Bürokratie und ein besseres Zusammenspiel zwischen Behörden, Kommunen, Verbänden und Ehrenamtlichen – das wäre der große Wunsch. „Langwierige Genehmigungsverfahren bringen uns nicht vorwärts“, fasst Haft zusammen. „Wir brauchen Menschen, die den Mut haben, etwas zu entscheiden – und auf der anderen Seite Menschen und auch Medien, die nicht gleich auf jedem Fehler herumhacken. So können wir unsere Natur und die Landwirtschaft fit für die Zukunft machen.“ 

Jan Haft hatte schon als Kind – und nicht immer zur Freude seiner Eltern – Terrarien mit Mäusen oder Schlangen in seinem Kinderzimmer. „Mich hat es fasziniert, die Tiere aus der Nähe zu betrachten.“ Genau das sei auch heute noch so, wenn er in seinen Filmen filigrane Detailaufnahmen verschiedenster Tiere zeigt. „Durch die Filme entwickelt man einen Lupenblick. Und genau das hat dazu geführt, dass wir diese Zusammenhänge mit den großen Tieren lesen können. Über die Arbeit hinter der Kamera wird einem so vieles klar, weil man etwas ganz in Ruhe betrachtet – ob intensiv aus der Nähe oder durchs Teleobjektiv von weiter weg.“ 

Biodiversität ist lokal

Für Jan und Melanie Haft ist zentral, dass jeder Einzelne etwas für die Heimat tun kann. „Natürlich hat nicht jeder einen Bauernhof, wo er Rinder auf der Weide halten kann. Er kann aber zum Beispiel vom heimischen Erzeuger das Fleisch beziehen oder im eigenen Garten heimische, insektenfreundliche Pflanzen halten“, schlagen die beiden vor. „Der Klimawandel ist ein globales Phänomen, wir können nicht Dinge auf der ganzen Welt verändern. Aber die Biodiversität ist lokal und für jeden sicht- und greifbar. Da kann jeder etwas machen und damit auch unsere Heimat bewahren.“ Auf dem Hof der Hafts übernehmen das wie selbstverständlich die Wasserbüffel, Esel und Pferde, wenn sie auf den Weiden auf Futtersuche gehen. 


*Anm. der Redaktion: Form der Landwirtschaft mit wenigen Tieren auf großen Flächen; zeichnet sich durch geringen Einsatz von Futter oder Technik aus und basiert oft auf natürlichen Futterquellen.
 

Steckbrief Jan Haft
Steckbrief Jan Haft
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Bildquelle Header: Jan Haft