Generationen

Alt und Jung gemeinsam in Bewegung

HERZKAMMER
Seit Anfang 2016 arbeiten zehn Kommunen aus dem Landkreis Schwandorf zusammen an einem LEADER-Projekt, bei dem Mehrgenerationenplätze gefördert werden. Was fördert das EU-Projekt LEADER genau und wie entstand die Idee, sich zu bewerben?

STEPHANIE WISCHERT
Bei LEADER werden Projekte in so genannten Lokalen Aktionsgruppen (LAG) im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gefördert. Diese werden mit 60 Prozent der förderfähigen Netto-Kosten bezuschusst. Die LAG Regionalentwicklung im Landkreis Schwandorf e.V. hat es sich zum Ziel gesetzt, die Folgen der demografischen Entwicklung abzumildern, und das vor allem mit einem generationsübergreifenden Ansatz. So entstand Anfang 2016 die Idee, ein regionales Kooperationsprojekt in mehreren Kommunen zu schaffen und sich mit diesem Gesamtprojekt für eine Förderung zu bewerben. LEADER fördert bei den Mehrgenerationenplätzen zum Beispiel die Kosten für Geräte, Fallschutz, Montage, Fundamente oder Gestaltung des Platzes.

HERZKAMMER
Welche Kommunen nehmen teil und wie wurde das Projekt dort aufgenommen?

STEPHANIE WISCHERT
Nach der ersten Abfrage war die Resonanz überwältigend. Zum Schluss waren dann zehn Kommunen mit an Bord: der Markt Bruck i.d.Opf., die Gemeinde Dieterskirchen, der Markt Neukirchen-Balbini, die Stadt Neunburg v. Wald, die Gemeinde Niedermurach, die Stadt Pfreimd, die Stadt Schönsee, die Stadt Teublitz, die Gemeinde Thanstein und der Markt Winklarn. In den Kommunen selbst wurden und werden die Bürger und Vereine in die Planung und Umsetzung eingebunden. Viele Gruppen unterstützen die Errichtung der Mehrgenerationenplätze aktiv – von örtlichen Sportvereinen, Senioren(sport)-gruppen und Mutter-Kind-Gruppen über die Katholische Landjugend bis hin zum Pfarrgemeinderat. Auch der Sportbeauftragte und die Seniorenbeauftragte des Landkreises und der Bayerische Landessportverband begrüßen das Projekt.

HERZKAMMER
Zehn Kommunen in einem Projekt – wie funktioniert da die Zusammenarbeit?

STEPHANIE WISCHERT
Die funktioniert sehr gut. Die Organisation läuft über das LAG-Management, das sich um die Beratung, Koordinierung und Vernetzung kümmert. Zudem unterstützt das LAG-Management bei den Anträgen und Formalitäten sowie bei der Organisation der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit, mit der wir auf das Projekt aufmerksam machen. Die Ausgestaltung ihres Mehrgenerationenplatzes erarbeitet jede Kommune mit ihren Bürgern selbstständig.

 

Stephanie Wischert, LAG-Managerin im Landratsamt Schwandorf, zusammen mit Landrat Thomas Ebeling.

 

HERZKAMMER
Was kann man sich konkret unter Mehrgenerationenplätzen vorstellen und was möchten die Kommunen damit erreichen?

STEPHANIE WISCHERT
Wir möchten mit den neuen Freizeitanlagen Menschen jeder Altersgruppe ansprechen. Die Parcours und Geräte sind so gestaltet, dass motorische Grundfähigkeiten und die Koordination geschult werden. Während bei Kinderspielplätzen das Augenmerk nur auf Kindergarten- und Grundschulkindern liegt, wird bei Mehrgenerationenplätzen die Zielgruppe um alle übrigen Altersgruppen erweitert – wobei besonders auch die Bedürfnisse von Senioren berücksichtigt werden. Wir greifen hier zum Teil auch auf die Expertise der kommunalen Seniorenvertretungen zurück. Eine wichtige Rolle bei den Anlagen spielt also der gesundheitliche Aspekt – Koordination, Fitness, Motorik. Ein zweiter wichtiger Punkt ist natürlich der Zusammenhalt. Mit den Projekten möchten wir das Zusammenleben und das Gemeinschaftsgefühl verschiedenster Gruppen vor Ort unterstützen. Die neuen Plätze sollen natürlich auch von den örtlichen Einrichtungen und Vereinen genutzt werden können.

 

 

HERZKAMMER
Wie ist der Zeitplan für die Umsetzung, wann werden die ersten Plätze eingeweiht?

STEPHANIE WISCHERT
Derzeit liegen alle zehn Anträge beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Neumarkt i.d.Opf. und warten auf die Bewilligung. Sobald diese erfolgt ist, kann die Kommune mit der Ausschreibung beginnen. Laut LEADER-Regularien muss das Projekt innerhalb von zwei Jahren nach der Bewilligung umgesetzt und alle Rechnungen müssen bezahlt sein. Aufgrund der intensiven Vorplanungen gehe ich jedoch davon aus, dass alle Plätze bis Ende des Jahres 2018 errichtet werden!

 

Landrat Thomas Ebeling zum Projekt:

„Gerade bei uns im ländlichen Raum ist es wichtig, dass die Menschen zusammenstehen. Unsere Mehrgenerationenplätze sollen das Miteinander aller Menschen und das gegenseitige Verständnis füreinander fördern. So stärkt dieses LEADER-Projekt den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und ist damit ein wichtiger Baustein unserer Kreisentwicklung. LEADER hilft uns dabei, gemeinsam mit den Menschen vor Ort tolle Projekte umzusetzen.“

 
Foto Brücke: inMotion PARK GmbH; Foto Wischert und Ebeling: Hans Prechtl; Karte: https://geoportal.bayern.de; Porträtfoto Ebeling: Reinhard Mederer
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