Vor Ort

Bei der Integration mit gutem Beispiel vorangehen

Patrick Zens

"Niederbayerischer Integrationspreis verliehen"

Mit gutem Beispiel vorangehen. Das kann als die zentrale Aussage des von Paul Rammelmeyr gegründeten Selbsthilfevereins "Chance für Jeden FRG e.V." aus Freyung gelten. Gegründet wurde der Verein eigentlich, um Lanzeitarbeitslose aus der Region wieder ins Berufsleben zu integrieren. Doch in einer Zeit, in der sehr viele Asylbewerber nach Deutschland kommen und viele von ihnen auch bleiben werden, kommt der Integration entscheidende Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft zu. Das dachte sich auch der 1. Vorstand des Vereins Paul Rammelmeyr. So wurde das Engagement des Vereins Anfang 2015 auch auf Flüchtlinge und Asylbewerber, die im Landkreis wohnen ausgedehnt. Dafür erhielt der ehrenamtliche Verein nun vom Regierungspräisdenten Heinz Grunwald den mit 3000 Euro dotierten niederbayerischen Integrationspreis verliehen.

"Ohne Ehrenamtliches Engagement geht es nicht"

Für Regierungspräsident Heinz Grunwald war die Begründung für die Auszeichnung sehr schnell gefunden. "Die Herausforderung der Integration aller Schutzbedürftigen, die zu uns nach Deutschland kommen, werden wir ohne ehrenamtliches Engagement nicht bewältigen können. Mit dem niederbayerischen Integrationspreis wollen wir den Verantwortlichen des Vereins "CFJ" vor Ort ein klein wenig Wertschätzung für die geleistete Arbeit zeigen", so der Regierungspräsident. Auch der Landtagsabgeordnete Max Gibis, schon seit längerem auf der Suche für private Geldgeber und Unterstützer für den Verein "Chance für Jeden", war bei der Preisverleihung mit dabei. Auch er brachte seine Freude über die Verleihung dieser Auszeichnung an Vorstand Paul Rammelmeyr und seinen Verein zum Ausdruck. "Mir gefällt, dass der Verein "CFJ" den Spagat schafft und zum einen heimischen Langzeitarbeislosen bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt hilft und zum anderen aber auch versucht, schutzbedürftige Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben dürfen, in unsere Gesellschaft zu integrieren. Ich sehe beides als gleichermaßen wichtig an und nur zu oft wird bei Diskussionen eien Seite der Medaille vergessen".

"Ein Vorzeigeprojekt - aber auf Unterstützung angewiesen"

Wegen der Hilfe für heimische Langzeitarbeitslose sowie der Unterstützung von Flüchtlingen bei der Integration in unsere Gesellschaft sprechen MdL Max Gibis und Regierungspräsident Heinz Grunwald von einem Vorzeigeprojekt, das Vorstand Paul Rammelmeyr mit seinen Mitstreitern Gerhard Drexler und Gabriele Zitt ins Leben gerufen hat. Doch bei allen guten Nachrichten in diesen Tagen und edlen Absichten schwebt doch auch das finanzielle Damoklesschwert über dem Verein "CFJ". Deshalb gilt nach wie vor, dass der Selbsthilfeverein "Chance für Jeden FRG e.V." auf alle Arten von Spenden, Unterstützung oder Fördergelder angewiesen ist und sich auch über jede Art der Zuwendung freut. "Schon mit wenig Geld kann man heimischen Bürgern und integraionswilligen Flüchtlingen helfen", so Paul Rammelmeyr.

"Über die bloße Bereitstellung von Arbeitsmöglichkeiten hinaus"

„Wir unterscheiden uns ganz klar von den üblichen Eingliederungskonzepten für Langzeitarbeitslose, die beispielsweise vom Job Center angeboten werden, weil unser Angebot zum einen nicht zeitlich befristet ist und sich zum anderen an diejenigen wendet, die von der Agentur für Arbeit aus den verschiedensten Gründen nicht mehr vermittelt werden können", erklärt der Vorstand. Die Beschäftigungen für die Langzeitarbeitslosen, die wieder an das Berufsleben herangeführt werden sollen, reichen von Entrümpelungen über einfache Reparaturen bis hin zu Lohnaufträgen und verschiedensten Dienstleistungen. Sogar ein Dauerflohmarkt ist in der Lagerhalle im Gewerbegebiet entstanden, der vom Verein "CFJ" betrieben wird. „Dabei geht unser Eingliederungskonzept aber über die bloße Bereitstellung von Arbeitsmöglichkeiten hinaus“, so Paul Rammelmeyr, „wir versuchen den bei uns beschäftigten Langzeitarbeitslosen auch wieder Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit, aber auch etwa den Umgang mit Geld oder mit den Behörden zu vermitteln. Zusätzlich zur Beschäftigung können sie mit diesen Qualifikationen wieder an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt herangeführt werden und bekommen wieder eine Perspektive auf eigene Arbeit mit eigenem Lohn“.

"Faire Bedingungen und fairer Lohn"

Weil wir den Langzeitarbeilsosen und den integrationswilligen Flüchtlingen für anständige Arbeit auch einen fairen Lohn von 8,50 Euro in der Stunde bezahlen, gibte es zahlreiche Erfolgsgeschichten, insbesondere auch bei der Integration von Flüchtlingen. "Die Menschen kommen gerne wieder hier her zur Arbeit, weil sie wieder eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit gefunden haben." Paul Rammelmeyr kann von zahlreichen individuellen Beschäftigungsmöglichkeiten erzählen, die in letzter Zeit geschaffen wurden. So konnte beispielsweise dem 57-jährigen Jandeslbrunner Josef Duschl ein Heimarbeitsplatz eingerichtet werden, an dem er alte Röhrenradios repariert. "Aufgrund seiner Krankheit kann er nicht immer arbeiten, aber mit dem Heimarbeitsplatz haben wir ihm die Möglichekit geschaffen, zu arbeiten, wenn es ihm gut geht", so der Vorstand. 

"Zahlreiche Erfolgsgeschichten"

Eine besondere Erfolgsgeschichte, ist die des 26-jährigen Senegalesen Ibrahim, dem der Verein "CFJ" einen individuellen Berufseinstieg ermöglicht hat. So betreibt der 26-jährige Senegalese seit Mai 2015 in Freyung eine kleine Änderungsschneiderei, die vom Verein „Chance für Jeden FRG e.V.“ eingerichtet wurde. „Ich habe sofort erkannt, der Ibrahim ist ein Künstler und ein Ausnahmetalent, also haben wir diese Möglichkeit für ihn geschaffen“, so der 1. Vorsitzende des Vereins. Die Änderungsschneiderei erfreut sich großer Beliebtheit und wird von den Menschen vor Ort angenommen. Damit zeigt die Geschichte eindrucksvoll wie gelungene Integration aussehen kann. Der Verein "CFJ" geht hier mit gutem Beispiel voran.