Innovation in der Region

Die b-plus GmbH ist Wegbereiter für neue Mobilität

„So was machen Sie hier in unserer Stadt“? Von der Anekdote im örtlichen Lebensmittelgeschäft berichtet Geschäftsführer Michael Sieg Staatssekretär Bernd Sibler bei dessen Besuch in der b-plus GmbH. Eine Verkäuferin habe ihn dort angesprochen. „Das war die Reaktion auf einen Presseartikel zum 20-jährigen Gründungsjubiläum der Firma. Die Frage hat mich sehr gefreut, weil die Menschen gesehen haben, welch innovativen Jobs wir hier in Deggendorf anbieten“, betont Sieg.

Enormer Wachstumsschub

Die b-plus GmbH in Deggendorf ist innerhalb von zwanzig Jahren stetig gewachsen und hat vor allem in den letzten sieben Jahren einen außergewöhnlichen Mitarbeiterboom erlebt. Von 19 Mitarbeitern im Jahr 2009 ist die Zahl der Beschäftigten auf über 100 im Jahr 2016 explodiert. „Wir bekommen mittlerweile Bewerbungen aus ganz Deutschland, unter anderem aus Braunschweig, Bremen oder Freiburg, ebenso arbeiten Fachkräfte aus zahlreichen EU-Ländern in unserer Firma. Besonders freut es mich aber, wenn junge Menschen, die während des Studiums der Heimat den Rücken kehrten, wieder zurückkehren“, so Michael Sieg.

1996 gründete der Ingenieur Prof. Dr. Böttcher b-plus als „Systemhaus für vernetzte Messtechnik und Automatisierungssysteme“ und als Engineering-Dienstleister. Michael Sieg ist seit 2005 Geschäftsführer und hat das Portfolio von b-plus kontinuierlich ausgebaut. Embedded Computer zur Kommunikation und Messtechnik in automatisierten Fahrzeugen und mobilen Maschinen bilden nach wie vor das Kerngeschäft der Firma. Die Besonderheit: b-plus konzipiert zugeschnittene Lösungen für Kunden, entwickelt und fertigt beides, Hard- und Software. Von der Entwicklung der Firma, die bei Forschungsprojekten auch eng mit der Technischen Hochschule Deggendorf kooperiert, begeistert, zeigte sich Staatssekretär Bernd Sibler bei seinem Besuch: „Es ist beeindruckend zu sehen, welches Know-how sich die b-plus GmbH über Jahre hinweg erarbeitet hat. Und ein Blick in die Zukunft, lässt schon erahnen, in welche Richtung die Entwicklung geht“.

Zukunft automatisiertes Fahren und vernetzte Fahrzeuge

Diese Zukunft liegt insbesondere in der Tochterfirma „b-plus automotive“. Hier will man sich noch mehr den Trendthemen automatisiertes Fahren und vernetzte Fahrzeuge widmen und entsprechende Competence Center dafür einrichten. Durch die zunehmende Vernetzung lassen sich immer neue Funktionen in die Fahrzeugtechnologien mit integrieren. Daraus eröffnen sich neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle. Staatssekretär Bernd Sibler wies an dieser Stelle auf die aktuelle Diskussion um den nächsten Handy-Standard 5G hin. Da dieser zusätzlich auch ganz neue Funkkommunikationsanwendungen zulasse, eröffneten sich auch für Anwender, wie die „b-plus automotive GmbH“ weitere Felder für „Car-to-Car-Verbindungen“ oder der Vernetzung zwischen „Car“ und „Infrastruktur“, stellten Michael Sieg und der Marketingstratege der b-plus-GmbH Josef Behammer, interessiert fest.

„Die Gestaltung autonomen Fahrens ist momentan in aller Munde. Alle großen Automobilhersteller unternehmen Testversuche, mit dem Ziel, selbstfahrende Autos serienreif zu entwickeln. Und wir beliefern diese bereits seit vielen Jahren mit Fahrzeug-Messtechnik zur Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen“, erläutert Michael Sieg. Die Messtechnik von b-plus hilft einerseits dabei, gewonnene Daten von der Vielzahl der Sensoren, den „Fühlern“ an Autos, einfach und sicher aufzuzeichnen, andererseits Steuergeräte untereinander zu vernetzen. „Die Datenmengen, die bei Fahrzeugen mit Elektronik erzeugt werden, sind enorm. Vier bis sechs Kameras und ebenso viele Radarsysteme an den Fahrzeugen nehmen sehr viele Verkehrssituationen auf, Ampeln, Fußgänger, andere Fahrzeuge oder Laternenmasten. Diese Daten müssen alle miteinander abgeglichen werden und als Entscheidungsgrundlage für ein Assistenzsystem aufbereitet werden. Mit unseren Datenrecordern ist eine effiziente Speicherung möglich, so dass sie jeder Zeit weiterverarbeitet werden können. Auf Basis der aufgezeichneten und analysierten Daten entscheidet das Auto dann, ob es abbremsen oder beschleunigen muss“, erklärt Michael Sieg.

Die b-plus GmbH liefert den Automobilherstellern für deren Feldversuche auch die Hardware. Die Hochleistungsrechner wurden zuvor mit Hilfe firmeneigener Testgeräte auf Herz und Nieren, vor allem auf Kälte- und Hitzetauglichkeit, überprüft. „Unser Ziel ist es, irgendwann bei jeder Fahrzeug-Entwicklung Messtechnik von b-plus verankert zu haben. Dafür arbeiten unsere klugen Köpfe mit großem Engagement“, so Sieg. Denn der Markt bewege sich sehr rasant, so dass momentan vor allem Schnelligkeit gefragt sei.

Als besonders gut für schnelles Wachstum geeignet, erweist sich dabei das Firmengelände. Die b-plus GmbH ist seit 2001 im Deggendorfer Gründerzentrum, dem Innovations Technologie Campus (ITC), untergebracht. Die Zusammenarbeit mit dem ITC gestaltet sich überaus positiv: Jeder Zeit können bei Bedarf flexibel Räumlichkeiten hinzu gemietet werden. Auf über vier Gebäude des Komplexes ist b-plus mittlerweile verteilt. Die nächste Herausforderung steht bereits an: „Wir wollen ein neues Gebäude für die Firma auf dem Gelände des ITC bauen, das potentiell bis zu 250 Mitarbeiter beherbergen kann“, erläutert Marketingstratege Josef Behammer. Mit der Stadt Deggendorf, von der man hervorragend unterstützt werde, sei man deshalb bereits in erste Gespräche getreten.

Gewinnung von Fachkräften

Staatssekretär Bernd Sibler erkundigte sich zudem, inwiefern die Gewinnung von geeigneten Fachkräften eine Herausforderung für das Unternehmen sei. 80 Prozent der Mitarbeiter sind Ingenieure, eine derzeit mit am stärksten umkämpfte Berufsgruppe. „Wir arbeiten sehr gut mit der Technischen Hochschule Deggendorf zusammen, ob bei Forschungsprojekten, Abschlussarbeiten oder Praktika. Die TH Deggendorf bietet ein gutes Fundament für die Nachwuchsgenerierung“, berichtet Josef Behammer. Außerdem habe b-plus in der Universitätsstadt Regensburg und in Lindau mittlerweile kleine Standorte aufgebaut, um sich breiter aufzustellen. „Das Lohnniveau ist im ländlichen Bereich natürlich geringer als in Ballungszentren, wie München. Dafür sind die Lebenshaltungskosten im Landkreis Deggendorf niedriger, Familien können sich ein Leben leisten und ein Haus bauen. Zudem sehen wir zu, dass sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen, dass sie sich austauschen können und am Freitagmittag zum Abschluss der Woche mal bei einem Essen gemütlich zusammensitzen. Hier entstehen die meisten kreativen Ideen zum Wohl des Unternehmens und die Mitarbeiter wissen diese Freiheiten gleichzeitig zu schätzen“, ist Michael Sieg überzeugt. Darüber hinaus habe auch die Region viel zu bieten. Zwar sei der Bayerische Wald nicht mit den Alpen zu vergleichen, dafür stehe man nicht Stunden lang im Stau und könne mal spontane Ausflüge ins Umland ohne langfristige Planung unternehmen. Auch Staatssekretär Bernd Sibler sieht die weichen Standortfaktoren als entscheidend an: „Lage, Anbindung, Infrastruktur, Lebenshaltungskosten, Familienfreundlichkeit und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten sind wichtige Komponenten für junge Menschen, sich in ländlichen Regionen anzusiedeln“, fasst es Sibler zusammen.

„Da braucht man sich in Niederbayern nicht vor Vergleichen zu scheuen. Wenn jemand, wie kürzlich, aus dem schönen Freiburg zu uns kommt, dann wissen wir, dass wir hier in Deggendorf mit unserer Expansion auf dem richtigen Weg sind“, so Geschäftsführer Sieg.