Gewusst wie

Innovation lernen - geht das?

Innovationen sind die treibende Kraft für Wachstum und Wohlstand. Welches Unternehmen wirbt nicht gerne mit „Fortschritt“ und „Innovation“? Doch der Zwang, Innovationen auf den Markt zu bringen, stellt viele Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Kann man Innovation lernen? Und wenn ja, wie? Wir stellen zwei Möglichkeiten vor.

1. The DO School

„Das Problem ist nicht, dass die Leute keine Ideen haben, sondern eher, dass sie nicht wissen, wie sie sie umsetzen sollen“, sagt Florian Hoffmann. Der gebürtige Baden-Württemberger gründete 2013 die „DO School“ aus der Überzeugung, dass in der heutigen, von schnellen Veränderungen geprägten Zeit unternehmerisch handelnde Menschen gebraucht werden, die gute Ideen in die Tat umsetzen können. Inzwischen hat die DO School, die sich selbst als „internationale Bildungsplattform“ beschreibt, Niederlassungen in Berlin, Hamburg und New York. Sie bietet ihr Programm in mehr als 20 Ländern an und richtet sich an Unternehmen und ihre Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Branchen, an junge Absolventen genauso wie erfahrene Geschäftsleute, etablierte Großkonzerne ebenso wie junge Start-ups.

In vier Stufen von der Idee zur Umsetzung

Auf dem Stundenplan der Do School steht Innovation, oder besser gesagt: der Weg dorthin. „Wir bringen unseren Teilnehmern die Techniken bei, um innovativ zu denken und zu handeln“, sagt Hoffmann. Die Basis dafür sei die so genannte „DO School-Methode“. Mit deren Hilfe lernen die Teilnehmer in Workshops, Ideen zu entwickeln, sie hinsichtlich ihrer Funktionalität zu überprüfen, zu präzisieren beziehungsweise optimieren und letztendlich in die Tat umzusetzen. Statt grauer Theorie steht in der DO School die Praxis im Vordergrund: „Innovation kann man nicht theoretisch lernen, sondern nur im echten Leben und im konkreten Handeln“, betont Hoffmann. „Deshalb arbeiten wir auch jedes Mal, wenn eine Firma auf uns zukommt, an einem ganz konkreten Problem oder an einer ganz konkreten Herausforderung, die diese Firma für sich sieht.“

Das Ziel: Fähigkeiten lernen, um auch in Zukunft innovativ zu denken

Die Herausforderungen oder „Challenges“, wie sie in der DO School genannt werden, könnten unterschiedlicher kaum sein. „Das reicht von: Wie kann man eigentlich Kinderkrankenhäuser so gestalten, dass die Kinder sich wohler fühlen? Über: Wie schaffen wir es, unser Unternehmen umweltfreundlicher zu machen? Bis hin zu: Was ist die richtige Investitionsstrategie für die Zukunft?“ Die DO School hat individuelle Angebote für ganz unterschiedliche Zielgruppen im Programm: Vom fünftägigen Workshop bis zum mehrmonatigen Intensiv-Coaching ist alles dabei. Unternehmen können sich zudem gezielt mit einer Problemstellung an die Do School wenden, an der dann im so genannten „DO Lab“ gearbeitet wird. „Am Ende all unserer Workshops steht immer nicht einfach nur eine Präsentation, sondern ein konkretes Produkt, ein Service oder eine Kampagne“, erklärt Hoffmann. „Für das Unternehmen soll ein direkter Wert geschaffen werden und gleichzeitig lernen alle Teilnehmer die Fähigkeiten, um auch in Zukunft innovativ und unternehmerisch zu denken.“ Ganz bewusst richtet sich die DO School längst nicht nur an die Führungsetagen von Unternehmen, sondern vor allem auch an die Mitarbeiter ganz unterschiedlicher Hierarchieebenen und junge Absolventen. Sie werden an der DO School zu „Innovatoren“ ausgebildet, können ihr Wissen später in ihren Unternehmen weitergeben und dafür sorgen, dass kontinuierlich an den neuen Ideen und Ansätzen weitergearbeitet wird.

Experten aus der Praxis helfen bei der Problemlösung

Je nach Thema arbeitet die DO School mit unterschiedlichen Experten aus der Praxis zusammen, die gemeinsam mit den Teilnehmern der Workshops an Lösungen arbeiten. Beispiele für erfolgreiche Challenges gibt es etliche: Die Modekette H&M hat zum Beispiel gemeinsam mit der Do School ein Nachhaltigkeitskonzept entwickelt. Und die Stadt New York hat Dank der DO School jetzt weniger Probleme mit Müll: „Das New Yorker Bürgermeisterbüro hat uns gefragt, ob wir nicht eine Lösung für das Problem mit den vielen weggeworfenen Einweg-Kaffeebechern finden können“, erzählt Florian Hoffmann. Genau wie in vielen Städten in Deutschland werden auch in New York jeden Tag Millionen von Einwegbechern weggeworfen. Im Rahmen einer DO School Challenge wurde gemeinsam mit Café-Ketten ein „Cup-Sharing-System“ entwickelt, das mit Mehrwegbechern und Rücknahme-Stationen funktioniert. Ein Riesen-Erfolg – nicht nur in New York! Auch in immer mehr deutschen Städten gibt es ähnliche Formate. Das spart den Unternehmen langfristig viel Geld und schont die Umwelt.

Nächste Challenge: Ein politisches Projekt?

Für DO School-Gründer Florian Hoffmann spielt bei Innovationsprozessen immer auch die gesellschaftliche Verantwortung eine entscheidende Rolle: „Innovationen sind dann besonders erfolgsversprechend, wenn sie nicht nur für mich, sondern auch für viele andere eine Verbesserung bringen.“ Egal, wie klein oder groß ein Projekt oder Unternehmen sei, die DO School-Methode lasse sich individuell an alle Herausforderungen anpassen, betont Hoffmann. „Innovatives Handeln ist für jeden lernbar!“ Auch in der Politik? „Mit den Vereinten Nationen arbeiten wir schon erfolgreich zusammen“, sagt Hoffmann. Und ein bayerisches Projekt als nächste Challenge schließt er zumindest nicht aus: „Da wäre ich auf jeden Fall neugierig!“

 

FLORIAN HOFFMANN studierte Politikwissenschaft (u.a. in Berlin und Oxford) und gründete 2013 die DO School mit Niederlassungen in Berlin, Hamburg und New York.

 

2. Studiengang Innovation an der Fachhochschule Kempten

„Wer als Unternehmer heute nicht innovativ denkt, ist morgen schon Geschichte!“, sagt Professor Dr. Marco A. Gardini. Er ist Koordinator des Masterstudiums Innovation, Unternehmertum und Leadership an der Hochschule Kempten. Der Studiengang bildet die Innovatoren und Gründer von morgen aus, will Studierende fit machen für die Herausforderungen und Anforderungen der Arbeitswelt – und für innovatives Denken und Handeln. Im Interview erläutert er, worauf es ankommt, wenn man Innovation lernen will.

HERZKAMMER
Was beinhaltet der Studiengang Innovation, Unternehmertum und Leadership?

MARCO GARDINI
Der Studiengang fußt auf zwei Säulen: Es geht zum einen um Innovation als Initiator einer Unternehmensgründung und zum anderen um Innovation in einem bestehenden Konzern. Unternehmensgründungen finden meistens statt, weil jemand eine gute, innovative Idee hat, die es so auf dem Markt noch nicht gibt. Uns ist es deshalb wichtig, den Studierenden das nötige Handwerkszeug zu vermitteln, das sie brauchen, um ihre Ideen strategisch weiterzuentwickeln und einen erfolgreichen Businessplan zu erstellen. Die andere Säule ist, dass natürlich auch bestehende Unternehmen darauf angewiesen sind, innovativ zu bleiben, wenn sie am Markt bestehen bleiben wollen. Wir bringen den Studierenden deshalb bei, wie innerhalb größerer Organisationen und Netzwerke Innovationen entwickelt und erfolgreich durchgesetzt werden können.

HERZKAMMER
Ist Innovation denn wirklich lernbar?

MARCO GARDINI
Innovative Projekte scheitern meistens nicht daran, dass den Leuten nichts einfällt. Ideen gibt es genug und jedem von uns kommen beim Kaffeetrinken viele tolle Ideen, wie man die Welt ein bisschen besser machen könnte. Was den meisten aber fehlt, ist das Handwerkszeug zur Umsetzung ihrer Ideen. In Deutschland produzieren die Hochschulen im Bereich BWL leider noch immer vor allem Angestelltenkarrieren. Da hat sich zwar in den vergangenen Jahren ein bisschen was getan – es gibt zum Beispiel einige Entrepreneur- und Unternehmensgründungs-Lehrstühle – aber im Vergleich zum angelsächsischen Raum ist das in Deutschland immer noch sehr überschaubar. Der Grundgedanke unseres Studiengangs ist es, Studierende zu ermuntern und zu befähigen, nicht nur in Angestelltenkarrieren zu denken. Unsere Studierenden lernen, wie man einen Businessplan schreibt, wie man an eine Finanzierung kommt, Szenarien erstellt oder ein Marketingkonzept entwickelt. Dazu gehören natürlich auch Themen wie Kreativitätstechniken, Service Excellence oder Customer Experience Design. Im Kern geht es immer darum, den Studierenden die Instrumente an die Hand zu geben, wie sie ihre Ideen zum Leben erwecken – und so innovativ sein können.

HERZKAMMER
Wie sieht das konkret aus?

MARCO GARDINI
Wir setzen auf einen gesunden Mix aus theoretischen Grundlagen und praxisorientierten Projekten. Dafür arbeiten wir intensiv mit Unternehmenspartnern aus verschiedenen Bereichen zusammen. Unsere Studierenden erarbeiten konkrete Ideen für das jeweilige Unternehmen und stellen ihre Vorschläge dann auch vor. Da kommen oft richtig gute Sachen bei raus und nicht selten werden die Ideen unserer Studierenden von den Unternehmen begeistert aufgenommen und umgesetzt.

HERZKAMMER
Was können Ihre Studierenden am Ende besser als klassische BWL-Studenten?

MARCO GARDINI
Was sie bestimmt können, ist mutig, neu und anders zu denken und den ständigen Perspektivenwechsel jederzeit als Mantra ihres Manager- oder Unternehmerdaseins an den Tag zu legen. Ein klassischer BWL-Student hat zwar relativ viel Wissen in bestimmten funktionalen Bereichen, aber ihm fehlt oft das Wissen um die Probleme, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Unternehmensgründungen oder Geschäftsmodellentwicklungen. Unsere Studierenden schreiben im Laufe des Studiums komplette Businesspläne, die sie vor realen Investoren präsentieren. Zum Teil sagen die Investoren dann auch wirklich: Klar, tolle Idee, das unterstütze ich! So praxisnah geht es in einem klassischen BWL-Studium selten zu.

HERZKAMMER
Wie wichtig ist denn Innovation für Unternehmen?

MARCO GARDINI
Ohne Innovation und innovative Mitarbeiter geht es einfach nicht mehr! Heutzutage sind die Produktlebenszyklen viel kürzer und die Kundenbedürfnisse wandeln sich immer schneller. Der immer anspruchsvollere Kunde treibt die Unternehmen vor sich her. Unternehmen sind gezwungen, immer einen Schritt vor dem Kunden zu sein, damit sie am Markt gegenüber den Wettbewerbern bestehen. Dabei sind innovativ und unternehmerisch denkende Mitarbeiter unverzichtbar, die auch innerhalb eines Unternehmens immer überlegen, wie man ein bestimmtes Geschäftsfeld verbessern und zukunftsfähig machen kann. Ich denke, wer als Unternehmer heute nicht innovativ denkt, ist morgen schon Geschichte.

 

PROF. DR. MARCO A. GARDINI lehrt seit März 2008 an der Hochschule Kempten und ist Koordinator des Studiengangs Innovation, Unternehmertum und Leadership.
Bilder: Jobalou - iStock-Photo, DO School, Hochschule Kempten
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