Innovation im Stimmkreis

„Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsameren“

Interview mit Drita Schneider

 

Die 1994 gegründete Firma Schneider Kunststoff Technik GmbH aus Kirchheim in Schwaben fertigt mittels Spritzgusstechnik technische Kunststoffteile für Kunden aus der Automobilbranche, dem Maschinenbau sowie der Verpackungs- und Sensortechnik. Aber das Unternehmen entwickelt, produziert und montiert auch eigene Produkte. Mit ihrem UJETA Wasserfilter war die Kirchheimer Firma im letzten Jahr für den Innovationspreis Bayern nominiert. Außerdem erhielt das Unternehmen die Auszeichnung Top-Innovator 2016. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Im Februar 2017 wurde Schneider Kunststoff Technik für den „Großen Preis des Mittelstands“ der Oskar-Patzelt-Stiftung nominiert und mit dem Top Job-Siegel als einer der besten Arbeitgeber im deutschen Mittelstand ausgezeichnet. Darauf ist Geschäftsführerin Drita Schneider besonders stolz – denn die Initiative für die Teilnahme an Top Job und der damit verbundenen wissenschaftlich fundierten Mitarbeiterbefragung ging von der Belegschaft aus. Das Familienunternehmen beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter, darunter auch zwei Auszubildende. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Drita Schneider über ihr innovatives UJETA-Wasserfilter-System und die Herausforderungen des Mittelstandes bei der Entwicklung innovativer Produkte.

 

Wie kam es zur Idee für das UJETA Wasserfilter-System?

Es hat eigentlich mit einem langjährigen Kunden von uns angefangen – dem Erfinder unseres jetzigen UJETA Home & Travel. Die Idee war sehr toll, allerdings noch keineswegs fertig entwickelt. Ursprünglich sollten wir nur die Produktionsstätte für die Kunststoffteile sein, aber nachdem wir circa sieben Jahre an der Entwicklung des Produktes gearbeitet hatten, beschlossen wir im Team die Erfindung aufzukaufen. So konnten wir das Produkt selbst fertig entwickeln und es dann als unser Eigenprodukt vermarkten. Ich habe mir das natürlich schon leichter vorgestellt. Denn es waren noch einige Optimierungen erforderlich, bis das Produkt dann wirklich serienfertig und verkaufsfertig war. Aber jetzt sind wir soweit und das ist eine ganz tolle Sache, die mir auch sehr viel Spaß macht und für mich von großer Bedeutung ist. Denn das Thema Wasser wird immer wichtiger. Lebensmittel Nummer Eins ist nun mal das Wasser.

 

 

Was zeichnet das Produkt aus – was macht es zu einem besonders innovativen Produkt?

Ich weiß, es gibt viele Mitbewerber auf dem Markt, aber die Kombination unseres Wasserfilters ist einzigartig. Es handelt sich um ein reines Naturprodukt. Wir haben die Kombination von Aktivkohle- und Membranfilter. Und dieser Membranfilter macht das Produkt so besonders. Er hat eine Porengröße von 0,1 Mikrometer, d.h. Viren, Bakterien – alles was zurzeit bekannt ist wird herausgefiltert und es entsteht keimfreies Trinkwasser. Und das Preis-Leistungsverhältnis ist natürlich genial. Der UJETA Wasserfilter soll kein Designerprodukt sein. Viel wichtiger ist uns, dass sich weltweit jeder, der kein sauberes Trinkwasser hat, unser Produkt leisten kann. Dennoch wollen wir unser Portfolio für den deutschen Markt vergrößern. Beispielsweise spielen wir gerade mit verschiedenen Farbkombinationen. Das bezog sich jetzt auf unseren kleinen UJETA Home & Travel. Die Besonderheit unseres UJETA Wasserkoffers ist, dass man ohne Strom und ohne Wasserleitung einfach Wasser filtern kann. Alles was man dazu benötigt ist Oberflächenwasser, z.B. aus einer Pfütze, und schon kann man sein Trinkwasser selber filtern – ganz egal wo man ist. Der Wasserkoffer zeichnet sich durch seine simple Handhabung aus, ist leicht und kann ganz einfach im Auto transportiert werden. Alles was man braucht ist im Koffer verstaut und der Zusammenbau ist kinderleicht. Das bietet sich besonders für Hilfsorganisationen an: In Haiti werden beispielsweise zurzeit mithilfe unsers Produkts 300 Kinder täglich mit Trinkwasser versorgt. Die Feedbacks, die wir von den Organisationen „Kindernothilfe“ und „Amurt“ aus Haiti bekommen, bestärken uns natürlich in dem was wir machen. Aber auch für jede Urlaubsreise ist der UJETA Wasserkoffer ein sinnvoller Begleiter. Eine weitere Besonderheit des UJETA Wasserkoffers: Durch den Einsatz spezieller Kartuschen kann auf die jeweils vorhandene Verschmutzung des Wassers reagiert werden. Und für beide Produkte gilt: Sie besitzen die Wasser- und Lebensmittelzulassung. Außerdem sind die Produkte „Made in Germany“ – Produktion und Montage erfolgen bei uns hier im Haus. Darauf bin ich sehr stolz.

 

Vor welchen Herausforderungen steht ein mittelständisches Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Produkte?

Es ist natürlich nicht immer einfach. Für die Entwicklung innovativer Produkte braucht es die entsprechende Manpower. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist allerdings eines der größten Probleme. Gerade im ländlichen Bereich ist es etwas schwieriger, an Fachpersonal zu kommen. Und dann ist da natürlich das finanzielle Risiko. Man steht so hinter diesem Produkt und man ist davon überzeugt, aber bevor überhaupt an erste Erfolge zu denken ist, muss ja zunächst alles erst vorfinanziert werden. Und das ist schon immer ein Risiko und nicht immer einfach. Die Großen können ganz anders spielen. Und da warte ich jetzt, dass der ganze Mut sich lohnt. Aber ich bin zuversichtlich. Ich verspreche mir von diesem Jahr sehr viel, denn das Interesse an unserem Produkt ist da. Beispielsweise waren wir Mitte Januar zusammen mit Bayern International auf einer Messe in Abu Dhabi und konnten dort viele wichtige Kontakte knüpfen. Dort war genau das Publikum, das wir brauchen – nämlich Firmen, die viel in Afrika unterwegs sind. Und diese Firmen sagen: „Genau, das brauchen wir.“

Welche Anreize/Unterstützung sind/ist aus Ihrer Sicht als mittelständisches Unternehmen seitens der Politik notwendig, um auch weiterhin innovative Produkte entwickeln zu können?

Die Fördermöglichkeiten sind ein ganz wichtiger Punkt. Daher wäre ein Bürokratieabbau bei der Beantragung von Fördergeldern so ein Punkt, an dem man ansetzen könnte. Die Rahmenbedingungen sollten an den Mittelstand angepasst werden. Damit es einfach nicht zu kompliziert wird. Wenn man da die ganzen Anträge so liest, überlegt man sich das natürlich zweimal, ob sich der ganze Aufwand wirklich lohnt. Vor allem weil uns auch die nötige Manpower fehlt, denn wir sind ein kleines Team und decken alles ab. Da bleibt nicht immer die Zeit für komplizierte Förderanträge. Mir ist schon klar, dass es ohne Bürokratie nicht geht. Aber manchmal muss man sich ziemlich schnell entscheiden. Denn nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsameren. Da dauert der ganze Prozess einfach zu lang. Das führt dazu, dass wir nicht schnell genug reagieren können. Und dann verlieren wir manchmal, weil wir dann einfach zu klein sind. Das ist schade. Aber dafür bin ich ja umso stolzer, dass wir mit unserer Größe das Ganze auch so hinbekommen haben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Networking. In diesem Zusammenhang bin ich aber bereits sehr begeistert von dem Angebot des Bayerischen Wirtschaftsministeriums und von Bayern International. Wir wurden in die Datenbank von Bayern International aufgenommen und werden seitdem immer informiert, wenn Delegationsreisen stattfinden, die für uns interessant sein könnten. Das finde ich ganz wichtig, denn so kommen wir in die Länder, für die unser UJETA Wasserfilter-System interessant ist. Wir wurden aber beispielsweise auch informiert, als letztes Jahr eine Gruppe aus Ghana-Nigeria in München zu Gast war. Wir durften den Gästen unsere Firma und unser Produkte präsentieren. Und obwohl das Thema nicht Wasseraufbereitung war, konnten wir einen interessanten Kontakt zu einem möglichen Vertriebspartner in Ghana knüpfen. Unsere potenziellen Kooperationspartner werden in nächster Zeit zu uns nach Kirchheim kommen, um unsere Firma und unser Produkt besser kennenzulernen und über eine Zusammenarbeit zu sprechen. Das wäre ohne die Plattform, die Bayern International uns geboten hat, gar nicht möglich. Da sind wir einfach auf Hilfe von außen angewiesen.

 

Würden Sie uns noch einen kleinen Ausblick in die Zukunft geben: Was planen Sie als nächstes – gibt es bereits weitere innovative Ideen/Entwicklungen?

Da wir im Auftrag unserer Kunden arbeiten, sind wir natürlich auf das angewiesen, was die Kunden wollen und wie sie es wollen. Aber auch an eigenen Ideen mangelt es uns nicht. Gerade mit unseren eigenen Produkten können wir ganz anders reagieren, den Markt ganz anders bedienen. Wir sind beispielsweise gerade dabei eine selbstaufwärmende Babyflasche fertig zu entwickeln und zu optimieren. Da sind wir bereits ziemlich nah dran. Und da gibt es noch eine weitere ganz besondere Idee, an der wir derzeit arbeiten. Wenn das funktioniert, wird das die Revolution schlechthin. Zu gegebener Zeit werden wir dazu dann nähere Informationen bekanntgeben. Außerdem sind wir gerade dabei, unsere Produktion zu automatisieren. Also die Ideen sind da, jetzt muss man sehen was daraus wird. Hier sind wir natürlich auch auf Fördermittel angewiesen. Mal schauen, wie steil der Weg wird und ob unsere jetzige Manpower dann ausreichen wird. Ich hoffe es klappt.

 

Drita Schneider, Geschäftsführerin der Schneider Kunststoff Technik GmbH