Inklusion

Vier Fragen an...

...Norbert Dünkel, den Leiter der Arbeitsgruppe Förderschulen und Inklusion der CSU-Fraktion
 

HERZKAMMER
Wie können wir Menschen mit Behinderungen mehr Teilhabe ermöglichen?

NORBERT DÜNKEL
Inklusion beginnt in den Köpfen der Menschen. Viele Menschen haben eine kleine Beeinträchtigung, und sei es auch nur eine Lesebrille oder eine Einschränkung beim Gehen im Alter. Oft sind es Kleinigkeiten, die Menschen mit intellektuellen oder körperlichen Beeinträchtigungen helfen, ihren Lebensalltag selbstständig und selbstbestimmt gestalten zu können: Homepages in einfacher Sprache, unterstützt durch Piktogramme oder Vorlesefunktion, eine Rampe statt Stufen vorm Rathaus oder der Gaststätte. Wichtig ist, Inklusion, Respekt und Toleranz als Selbstverständlichkeit in den Familien, Schulen, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft zu fördern und zu etablieren.

HERZKAMMER
Warum ist inklusive Bildung so wichtig?

NORBERT DÜNKEL
Gemeinsames Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung ist eine große Chance für deren soziale Entwicklung und auch für den Lernfortschritt. Inklusive Bildung ist ein Prozess, bei dem alle Kinder lernen, sich zu akzeptieren, den anderen in seiner Verschiedenheit wahrzunehmen und zu respektieren. Inklusion heißt, die Talente des einzelnen Schülers zu fördern und zu stärken. Pädagogisch, aber auch durch Logopädie oder Ergotherapie.

HERZKAMMER
Warum ist Inklusion auch für den Zusammmenhalt in der Gesellschaft von Bedeutung?

NORBERT DÜNKEL
Jede Gesellschaft lebt von ihrer Vielfalt und von ihren unterschiedlichen Talenten. Viele erfolgreiche Denker, Wissenschaftler und Strategen hatten eine körperliche Behinderung. Menschen mit geistigem Handicap sind mit ihrer Empathie eine großartige Bereicherung. Nur das WIR macht eine Gesellschaft stark.

HERZKAMMER
Die Arbeitsgruppe Förderschulen und Inklusion setzt wichtige Impulse bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtekonvention. Wie ist der Stand der Umsetzung in Bayern?

NORBERT DÜNKEL
Als Vorsitzender beider Arbeitsgruppen ist mir eine fraktionsübergreifende Zusammenarbeit besonders wichtig. Wir haben schon viel erreicht: Bayern hat ein „Schulprofil Inklusion" für Regelschulen und Förderschulen eingeführt, 100 zusätzliche neue Stellen zur Umsetzung der Inklusion je Kalenderjahr geschaffen und neue Studienplatzkapazitäten für Sonderpädagogen in erheblichem Umfang eingerichtet. Damit werden wir dem Förderbedarf der Kinder gerecht. Der Kernsatz im Erziehungs- und Unterrichtsgesetz lautet: „Bayern geht einen pragmatischen Weg bei der Umsetzung der Inklusion. Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen." Die Förderschulen sind daher als Kompetenzzentren von Anfang an mit dabei und wichtiges Element des inklusiven Schulsystems in Bayern. Klar ist: Das Kind und seine konkreten Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt. Daher ist bei uns das Wahlrecht der Eltern so wichtig: Sie sollen mit entsprechender Beratung und Begleitung frei entscheiden können, ob ihr Kind an einer Regelschule am besten aufgehoben ist oder ob sie lieber auf die Unterstützung an Förderschulen zurückgreifen möchten.

 
 
Foto: Elaine Schmidt - Foto Steinbauer
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