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Leonhard | Unternehmertum für Gefangene

Unsere Motivation für die Arbeit mit Strafgefangenen

Warum arbeiten wir ausgerechnet mit Strafgefangenen? Also denjenigen, die große Fehler gemacht haben und gescheitert sind? Das Anliegen ist weitaus nicht so leicht zu verstehen oder „benutzerfreundlich“ wie Programme, die sich beispielsweise um Kinder kümmern.

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich anschauen, warum Menschen im Gefängnis landen. Der Grund hat immer wieder ähnliche Wurzeln: Menschen, die auf die schiefe Bahn gelangt sind, denen fehlten in ihrer Kindheit oftmals positive Vorbilder, insbesondere männliche, positive Vorbilder. Schul- und Erziehungsproblem entstehen in vielen Fällen dort, wo der Vater keine reguläre Arbeit hat, trinkt, psychische Probleme hat, Drogen verkauft oder selber im Gefängnis sitzt. So kommt es, dass ein kleiner Junge, wenn er darüber nachdenkt, was er aus seinem Leben machen möchte, keine Vorstellung davon hat, wie ein anderes, besseres Leben aussehen könnte, weil es keine besseren Vorbilder gibt. Das Ergebnis ist, dass er auf keine bessere Idee kommt, als seinem Vater nachzueifern.

Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder von Eltern großgezogen werden, die sich um ihr Kind kümmern und mit den Werten aufziehen, die ihm ein selbstständiges, produktives, glückliches Leben in der Gesellschaft ermöglichen.

Wir sorgen dafür, dass straffällig gewordene Männer wieder zu Vätern werden, die ihre Familien ernähren können und ihre Kinder in einem werteorientierten Umfeld aufziehen.

Die Problemspirale von (ehemals) inhaftierten Menschen

Nach der Kindheit sind viele, die oben beschrieben wurden, arbeitslos. Viele kennen nichts anderes als ihre illegalen Aktivitäten und ein problembehaftetes Umfeld.

Dann werden sie mit Menschen ins Gefängnis gesperrt, denen es genauso geht, deren Gedanken um dasselbe kreisen, die auch meist keine positiven Vorbilder darstellen.

Über was denken diese Menschen nach, wenn sie gemeinsam im Gefängnis sitzen?

Meist über nichts Gutes. Sie werden „erfolgreichere“ Kriminelle im Gefängnis. Nach der Entlassung haben sie keine bessere Idee, als weiterhin Drogen zu verkaufen oder einzubrechen. Das führt dann zu Rückfallquoten in Deutschland von durchschnittlich 46%. Das bedeutet, dass jeder zweite, verurteilte Kriminelle rückfällig wird.

Allerdings gibt es auch Menschen im Gefängnis, die sich wirklich ändern möchten. Aber überall, wohin sie kommen, ist ihre erste Identität „Knacki“. Ob sie sich einen Arbeitsplatz suchen, sich um eine Wohnung bewerben oder neue private Beziehungen aufbauen möchten. Überall werden sie mit diesem Stempel konfrontiert, der ihnen einen Einstieg in die Gesellschaft unendlich schwer macht.

Unsere Lösung durch unternehmerische Qualifizierung und Persönlichkeitstraining

Welche Eigenschaft bringen viele Strafgefangene mit? Es sind überraschenderweise unternehmerische Fähigkeiten. Scherzhaft sagen wir oft: wer einen Drogenring aufgebaut hat, hat Ahnung von Vertriebs­wegen, Marketingstrategien und Mitarbeiterführung. Diese Eigenschaften nutzen wir für etwas Positives.

Unsere Mission: wir qualifizieren Strafgefangene unternehmerisch, damit sie sich nach der Haft legal selbständig machen oder als unternehmerisch denkende Mitarbeiter leichter einen Arbeitsplatz finden und halten können.

Wir beginnen das Programm mit einer 20-wöchigen Ausbildung im Gefängnis. Dort lernen unsere Teilnehmer die Grundlagen von Unternehmertum und Wirtschaft. Sie schreiben einen eigenen Businessplan und sind Teil eines umfassenden Persönlichkeitstrainings. Nach der Haft begleiten wir sie bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche und bei der Stabilisierung ihres persönlichen Umfelds.

Die Ergebnisse des Programms

Die wichtigsten Erfolge für das Leonhard-Programm sind jene, die sich nicht in Zahlen messen lassen. Es sind die persönlichen Erfolge der Teilnehmer und die Entwicklung, die sie innerhalb der kurzen Zeit von 20 Wochen durchmachen. In das Leonhard-Programm kommen Menschen, die bewegende, teils verheerende Biografien haben und nach allen Maßstäben die ungünstigsten Voraussetzungen mit­bringen, um im (Arbeits-) Leben Fuß zu fassen. Die gleichen Menschen zeigen einen beeindrucken­den Willen und sind entschlossen, die zweite Chance, die ihnen geboten wird, zu nutzen. Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass es für viele die erste, realistische Chance ist.

Wie drücken sich diese Ergebnisse dennoch in Zahlen aus (Stand 13.10.2016):

- 60 % der entlassenen Absolventen finden nach durchschnittlich 26,3 Tagen eine Beschäftigung oder beginnen ein Studium.

- 29 % machen sich selbstständig. 

- 88 % der Absolventen bleiben nach unserer Kenntnis straffrei

Referenzen

„Das Leonhard-Programm schließt eine wichtige Lücke bei der Wiedereingliederung von unternehmerisch interessierten Gefangenen in die Arbeitswelt. Die unternehmerische Qualifizierung zur Gründung kleiner Dienstleistungsunternehmen in Verbindung mit der Vermittlung von Werten und einem umfassenden Persönlichkeitstraining erfüllt ein ganz wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Ich würde es begrüßen, wenn diese bayerische Initiative ihren Weg auch in andere Länder fände.“
Prof. Dr. Winfried Bausback, MDL, Bayerischer Staatsminister der Justiz

Kontakt

Maren Jopen
Geschäftsführerin

maren.jopen@leonhard.eu
www.leonhard.eu