Innovation made in Schwaben

Mit Videos zum Mathe-Einser

Ob Prozentrechnung, binomische Formel oder Satz des Pythagoras - mit Mathematik haben so einige Schüler Probleme. Mehr als 50 Prozent der Nachhilfe in Bayern findet im Fach Mathematik statt. Das Start-up TOUCHDOWN Mathe aus Augsburg will die Mathe-Nachhilfe revolutionieren. Auf einer kostenlosen Videolernplattform bietet das Unternehmen Mathematik-Lernvideos an. „Wir wollen zeigen, dass niemand zu blöd für Mathe ist“, sagt Dr. Richard Spies, Geschäftsführer von TOUCHDOWN Mathe. Für die Idee wurden Spies und sein siebenköpfiges Team 2016 beim Businessplanwettbewerb von „BayStartUP“ ausgezeichnet.

INTERVIEW mit DR. RICHARD SPIES

HERZKAMMER
Was ist die Idee hinter TOUCHDOWN Mathe?

RICHARD SPIES
Wenn Sie einen Schüler fragen: „Warum hast du in Mathe nur einen Vierer geschrieben?“ wird er vermutlich antworten: „Ich hab’s nicht verstanden!“ Den Schülern fehlt heutzutage oft das Grundlagenwissen und ohne das geht es in der Mathematik einfach nicht. Wir haben uns gefragt, wie man das Lernen vereinfachen und dabei die moderne Lebenswelt der Schüler berücksichtigen kann. Und da lautet die Antwort ganz klar: Lernen mit Videos. Wir erklären Mathematik mit kurzen Videos, die nach speziellen pädagogischen und neurowissenschaftlichen Systemen entwickelt wurden, und haben ein Kurs-System für unsere Online-Plattform erarbeitet, mit dem Schüler sich zum Beispiel gezielt aufs Abitur vorbereiten können. Die Innovation hinter TOUCHDOWN Mathe ist eine didaktische, die davon ausgeht, dass das Lernverhalten von Schülern sich verändert hat. Mit unseren Videos kann wirklich jeder Schüler Mathematik verstehen, wir wollen zeigen, dass niemand zu blöd für Mathe ist. Unsere Videos bieten wir auch für die spezielle Zielgruppe der Flüchtlinge an – mit arabischen Untertiteln. Dazu haben wir ein Trainingsbuch entwickelt, das sich am Bayerischen Lehrplan orientiert und unter anderem in den Integrationsklassen zum Einsatz kommt.

HERZKAMMER
Wie viele Schüler nutzen TOUCHDOWN Mathe schon?

RICHARD SPIES
Unsere Plattform ist vor einem Jahr gestartet, inzwischen nutzen jeden Monat mehrere tausend Schüler unsere Videos und die Zugriffszahlen steigen permanent. Wir würden natürlich gerne noch bekannter werden, als kleines Start-up haben wir aber leider nicht so viele Marketing-Möglichkeiten.

Dr. Richard Spies, Gründer von TOUCHDOWN Mathe

HERZKAMMER
Was war der Innovationsmotor, der Antrieb für TOUCHDOWN Mathe?

RICHARD SPIES
Alle sprechen immer von digitaler Bildung, aber man sieht so wenig davon. Wir haben uns gedacht: Das kann doch nicht so schwer sein! Wenn man als junger Mensch heutzutage eine Weihnachtsgans zubereiten oder eine Mütze stricken will, ist es fast schon selbstverständlich, dass man sich erst mal eine Videoanleitung bei Youtube anschaut. Das Lernverhalten hat sich verändert und ich glaube, dass es schon in naher Zukunft ganz normal sein wird, auch Themen wie Mathematik mithilfe von Videos zu lernen. Wir wollen mit unserer Plattform zeigen, wie gut das funktioniert. Generell gibt es im Bereich Bildung in Deutschland leider ein großes Innovationsproblem, speziell was digitale Bildung betrifft.

HERZKAMMER
Wo liegt das Problem?

RICHARD SPIES
Innovation hat ja immer etwas mit Veränderung zu tun und viele Menschen scheuen die Veränderung, das gilt besonders für die Bildung. In der Industrie, zum Beispiel im Maschinenbau, gibt es einen Weltmarkt, der täglich fordert, innovativ zu sein. Wer nicht innovativ ist, fällt zurück. Auch ein Einzelhändler, der zum Beispiel in München überleben möchte, muss sich heutzutage was einfallen lassen, um nicht unterzugehen. Die Bildungsmärkte hingegen sind staatlich sehr stark reguliert. Innovation im Bereich Bildung ist dadurch unglaublich schwierig.

HERZKAMMER
Was muss sich ändern, damit Innovation in der Bildung leichter wird?

RICHARD SPIES
Ich denke, der entscheidende Punkt ist die Finanzierung. Projekte wie unseres sind in Deutschland sehr schwer zu finanzieren. Wir bieten unsere Videos kostenlos an und arbeiten mit Sponsoring-Partnern zusammen. Das Problem ist nämlich, dass viele Eltern zwar Unmengen an Geld für die Nachhilfe ihrer Kinder ausgeben, aber nicht bereit sind, elektronische Produkte zu kaufen. Das heißt, man muss auch Geschäftsmodelle neu entwickeln. Es gibt Branchen, in die gerne und viel investiert wird. Aber vom Bereich Bildung lassen Investoren dann doch meistens lieber die Finger. Auch in der Start-up-Szene sind Bildungsthemen nach wie vor kaum zu finden. Beim Businessplan- Wettbewerb der BayStartUP, bei dem wir mitgemacht haben, waren wir die einzigen mit einem Bildungsthema.

Mehr Informationen zum Projekt auf www.touchdown-mathe.de

Bild: TOUCHDOWN Mathe Screenshot
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